Alice Coote Mezzosopran
Julius Drake Klavier
Programm
Musik von
Georg Friedrich Händel
Joni Mitchell
Richard Wagner
Kurt Weill
Franz Schubert
David Bowie
Leonard Bernstein
Jacques Brel
Richard Strauss
John Lennon
und anderen
Edward Elgar (1857–1934)
Speak, Music op. 42 Nr. 2 (1902) (Benson)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
An die Freude KV 53 (1768) (Uz)
Georg Friedrich Händel (1685–1759)
Quando mai, spietata sorte
Arie der Zenobia aus Radamisto HWV 12 (1720) (Haym)
Richard Wagner (1813–1883)
Schmerzen
aus Wesendonck-Lieder (1857–58)
Burt Bacharach (1928–2023) & Elvis Costello (*1954)
My Thief (1998)
Gabriel Fauré (1845–1924)
Fleur jetée op. 39 Nr. 2 (1884) (Silvestre)
***
Kurt Weill (1900–1950)
It Never Was You
aus Knickerbocker Holiday (1938) (Anderson)
Pjotr Tschaikowsky (1840–1893)
Moj genij, moj angel, moj drug TH 89 (um 1855–60) (Fet)
Robert Schumann (1810–1856)
Sitz ich allein
aus Myrthen op. 25 (1840) (Goethe)
Hugo Wolf (1860–1903)
Denk es, o Seele!
aus Mörike-Lieder (1888)
David Bowie (1947–2016)
Life on Mars? (1971)
Bearbeitung von Ben Dawson
Gustav Mahler (1860–1911)
Ich bin der Welt abhanden gekommen
aus Rückert-Lieder (1901–02)
Joni Mitchell (*1943)
Borderline (1994)
Bearbeitung von Ben Dawson
Leonard Bernstein (1918–1990)
Somewhere
aus West Side Story (1957) (Sondheim)
Pause
Graham Peel (1877–1937)
The Early Morning
aus The Country Lover (1910) (Belloc)
Francis Poulenc (1899–1963)
Les Chemins de l’amour S 106 (1940) (Anouilh)
Reynaldo Hahn (1874–1947)
L’Heure exquise
aus Chansons grises (1892) (Verlaine)
Franz Schubert (1797–1828)
Seligkeit D 433 „Freuden sonder Zahl“ (1816) (Hölty)
Roger Quilter (1877–1953)
Love’s Philosophy op. 3 Nr. 1 (1905) (Shelley)
***
Liza Lehmann (1862–1918)
Love, If You Knew the Light (1922) (Browning)
Irving Berlin (1888–1989)
You Can Have Him
aus Miss Liberty (1949) (Berlin)
Bearbeitung von Nina Simone
Gottfried Heinrich Stölzel (1690–1749)
Bist du bei mir
Arie des Diomedes aus Diomedes (1718)
Bearbeitung von Johann Sebastian Bach (vorm. BWV 508)
Jacques Brel (1929–1978)
My Death (1959)
Bearbeitung von Ben Dawson
Olivia Chaney (*1982)
House on a Hill (2018)
John Lennon (1940–1980)
Imagine (1971)
Bearbeitung von Ben Dawson
Richard Strauss (1864–1949)
Morgen op. 27 Nr. 4 (1894) (Mackay)

„Abwechslung muß seyn“
Von Bach bis Bacharach, von Wagner bis Bowie – eine unerwartete Mischung hält das heutige Lieder- und Songprogramm bereit. Für Alice Coote begann es mit einer einfachen Frage: „Warum gibt es im Umgang mit Musik immer noch so viel Schubladendenken?"
Werkeinführung von Kerstin Schüssler-Bach
„Abwechslung muß seyn“
Alice Coote und Julius Drake interpretieren Lieder aus vier Jahrhunderten
Kerstin Schüssler-Bach
Von Bach bis Bacharach, von Wagner bis Bowie – eine unerwartete Mischung hält das heutige Lieder- und Songprogramm bereit. Für Alice Coote begann es mit einer einfachen Frage: „Warum gibt es im Umgang mit Musik immer noch so viel Schubladendenken? Wenn es um Themen wie Rassismus oder Genderfragen geht, ist unsere Gesellschaft fortschrittlicher geworden, doch unsere Musik und auch ihr Publikum ordnen wir weiterhin in enge Kategorien ein. Das Zeitalter der sogenannten ‚klassischen‘ Musik dauerte von 1750 bis 1820 – warum zwingen wir dann so viel großartige und unterschiedliche Musik unter diese irreführende Bezeichnung? In unserem Programm – rebellisch im Geiste, aber entspannender als dieses Wort vermuten lässt – beschäftigen wir uns mit einigen Lieblingsliedern und -arien aus verschiedenen Jahrhunderten bis in die Gegenwart und möchten damit zeigen, dass das, was wir ‚ klassische‘ Musik nennen, im Grunde einfach großartige und unvergessliche Musik aus unserer gemeinsamen Vergangenheit ist, die auf jede Bühne und neben alle anderen Arten von großer Musik gehört, egal aus welcher Zeit oder Epoche sie stammt.“
Historisch gesehen ist der klassische Liederabend ohnehin eine späte Erfindung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts drang das Lied aus dem Rahmen privater Hausmusik auf die Konzertbühnen vor, und erst damit bürgerte sich die Gewohnheit ein, als Zyklen komponierte Lieder auch in ihrer Gesamtheit zu Gehör zu bringen. Der Bariton Julius Stockhausen, Pionier des professionellen Liedgesangs, wagte 1854 als erster eine vollständige Aufführung von Franz Schuberts Die schöne Müllerin. Komplette Zyklen ohne Pause zu präsentieren, blieb allerdings weiterhin undenkbar: Als Stockhausen und Clara Schumann in den 1860er Jahren Robert Schumanns Dichterliebe oder Schuberts Winterreise interpretierten, wurden zwischen den Liedern kurze Klavierstücke eingefügt. In der Diskussion mit Clara Schumann empfahl Stockhausen, dass man neben „vollendeten“ Zyklen wie der Winterreise „auch Volkslieder bringen“ müsse, „auch französische Cammerstücke oder italienische der Abwechslung wegen […]. Abwechslung muß seyn & Ernstes soll sich nicht auf Ernstes häufen. Wenn’s nur schön ist.“
Bis ins 20. Jahrhundert hinein wechselten sich in Vokalrecitals ganz selbstverständlich Opernarien mit Kunstliedern ab. Nur langsam emanzipierte sich das Lied von dieser bunten Folge, an deren Stelle eine atmosphärisch geschlossene Kunstanstrengung trat. In neuerer Zeit wird diese andachtsvolle Zelebrierung wieder aufgebrochen – im Sinne des Stockhausen’schen Mottos „Abwechslung muss sein“, aber auch hinsichtlich einer dramaturgischen Auswahl des Programms nach epochen- und genreübergreifenden thematischen Schwerpunkten.
Die Musik sprechen lassen
Diesem Pfad folgen auch Alice Coote und Julius Drake. Edward Elgars Speak, Music wird dabei zur sanften Einladung, das Reich der Vokalmusik zu entdecken: „Something more true than death.“ Der Text stammt von Arthur Christopher Benson, dessen Verse „Land of Hope and Glory“ in Kombination mit der Melodie von Elgars Pomp and Circumstance-Marsch Nr. 1 unsterblich wurden. Fünf Jahre jünger als Elgar war die Londonerin Liza Lehmann, Tochter einer Sängerin und eines aus Deutschland stammenden Malers. Sie studierte Gesang bei Jenny Lind und arbeitete mit Clara Schumann und Joseph Joachim. Nach ihrem Bühnenabschied konzentrierte sie sich aufs Komponieren. In vielen ihrer Lieder huldigt sie einem charmanten, leicht melancholisch verhangenen Ton, so auch in Love if You Knew the Light nach Versen von Robert Browning. In ihren Konzerten mischte Lehmann Stücke aus Renaissance und Barock mit Volks- und Kunstliedern. 1887 debütierte sie beim Berliner Philharmonischen Orchester mit einer Händel-Arie, französischen Liedern und Werken von Brahms. In ihr dürfte Alice Coote insofern ein Vorbild gefunden haben, als auch sie eine Arie aus Händels Oper Radamisto in ihr Programm integriert. Die bewegende Cavatina „Quando mai, spietata sorte“ drückt mit lyrischer Innerlichkeit die Verzweiflung Zenobias aus, die erst nach vielen Verwicklungen mit Radamisto vereint wird.
Graham Peel gehört zu einer Generation wohlsituierter „Gentleman composers“, die vor allem im Lied reüssierten. Die englische Identität seiner Musik offenbart sich auch in den pastoralen Sujets, die die Schönheiten des Landes preisen. Der im gleichen Jahr 1877 geborene Roger Quilter gilt als Schöpfer einiger der besten englischen Kunstlieder, vor allem seine Shakespeare-Vertonungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Love’s Philosophy nach Versen des früh verstorbenen Dichters Percy Bysshe Shelley malt die Liebeshoffnung in sanften Farben mit einer grazilen Melodie, die mit leichtem Schritt über einer bewegten Klavierbegleitung federt und sich zum Ende hin leidenschaftlich steigert.
„Empfindung bis in die Lippen hinauf“
Schon als 20-Jähriger beschäftigte sich Gabriel Fauré mit dem Genre der Mélodie, mit der das französische Liedschaffen einen eigenen Weg genommen hat. Anders als die eher salonhaft-eleganten Stücke dieser Tradition ist Fleur jetée allerdings von der rastlosen Dramatik des verschmähten Liebhabers gezeichnet – und wird aus leicht erkennbaren Gründen gelegentlich auch der „französische Erlkönig“ genannt. Reynaldo Hahn und Francis Poulenc führten die französische Liedtradition im 20. Jahrhundert fort. Hahn, ein Star in den Salons der Belle Époque, schuf zarte Miniaturen wie den Paul-Verlaine-Zyklus Chansons grises. Poulencs bittersüßer Walzer Les Chemins de l’amour entstand ursprünglich als Teil der Bühnenmusik zu einem Stück von Jean Anouilh.
Das deutsche romantische Lied galt lange Zeit als so prägend, dass es sogar als Lehnwort Eingang ins Französische und Englische fand. Alice Coote beschränkt sich in ihrem Programm auf eine kleine exemplarische Auswahl. Seligkeit gehört zu den unbeschwertesten Liedern Franz Schuberts und ist voller tänzerischer Liebesbeschwingtheit. Schumanns knappe Goethe-Vertonung Sitz ich allein huldigt in knorriger Individualität der Inspiration durch Wein – eine Situation, die dem Komponisten wohlvertraut war. Selbstgenügsamkeit ohne alle äußeren Einflüsse feiert Gustav Mahlers von tiefer Innerlichkeit durchdrungenes Ich bin der Welt abhanden gekommen nach einem Gedicht von Friedrich Rückert – „Empfindung bis in die Lippen hinauf“, wie Mahler selbst es charakterisierte. In eine wunde Liebessehnsucht versenken sich Richard Wagners sinnliche Wesendonck-Lieder, von denen er zwei ausdrücklich als „Studien“ zu Tristan und Isolde bezeichnete. Fin-de-siècle-Weltflucht blüht im träumerischen Liebesgesang Morgen auf, den Richard Strauss seiner Frau als Hochzeitsgabe schenkte. Pauline Strauss, eine bekannte Sopranistin, sang dieses Lied nach der Erinnerung ihres Mannes „mit einem Ausdruck und einer Poesie, wie ich sie nie mehr gehört habe“. Den Kontrast zwischen trügerischer Idylle und Grabesnähe setzt Hugo Wolf in Mörikes Denk es, o Seele! eindrucksvoll in Töne.
Grenzerfahrungen und Utopien
Liebe im Angesicht des Todes ist ein Thema, das Komponist:innen aller Zeiten bewegt und inspiriert hat. Im heutigen Programm reicht die Palette von Bachs Bearbeitung einer schlichten Arie von Gottfried Heinrich Stölzel („Bist du bei mir“) bis zu My Death (La Mort) des belgischen Chansonniers Jacques Brel, das als Herzstück der Off-Broadway-Revue Jacques Brel Is Alive and Well and Living in Paris auch in englischer Version bekannt wurde – u.a. interpretiert von David Bowie. Dessen Glam-Rock-Ballade Life on Mars? flüchtet sich – sozusagen „der Welt abhanden gekommen“ – in eine surreale Traumwelt. Über Grenzerfahrungen und gesellschaftliche Spaltung hat Joni Mitchell in Borderline nachgedacht. Die ultimative Hymne einer Liebesutopie jenseits sozialer Grenzen ist dagegen Leonard Bernsteins Somewhere. Und um Utopien und Grenzüberwindung geht es auch in John Lennons Imagine. Irving Berlins You Can Have Him (aus dem Musical Miss Liberty) gewann tiefere Bedeutung in der Interpretation der Schwarzen Jazzsängerin und Bürgerrechtlerin Nina Simone, die ihre Kunst als „Black Classical Music“ bezeichnete. Stilistische Grenzen ignorierte Kurt Weill, der den Broadway eroberte, nachdem man ihn aus Deutschland fortgetrieben hatte.
Die Linie poetischer Balladen setzt die britische Singer-Songwriterin Olivia Chaney fort. Sie singt auch Musik von Henry Purcell – warum also sollte eine klassische Sängerin nicht Chaneys Songs interpretieren, die menschliche Emotionen „in all shining mystery“ ausdrücken? Ein Grenzgänger ist ebenfalls der britische Musiker Elvis Costello, aus dessen Zusammenarbeit mit Anne-Sofie von Otter eines der erfolgreichsten Crossover-Alben der letzten Jahrzehnte hervorging. Costello brachte es auf den Punkt, als er sich ärgerte über die „schreckliche Angewohnheit“, alles „in kleine Schubladen zu stecken und nicht zuzulassen, dass man die Regeln bricht. Ich verstehe die Barrieren zwischen Popmusik und Klassik überhaupt nicht. Keine von beiden ist der anderen überlegen.“
Dr. Kerstin Schüssler-Bach arbeitete als Opern- und Konzertdramaturgin in Köln, Essen und Hamburg und hatte Lehraufträge an der Musikhochschule Hamburg und der Universität Köln inne. Beim Musikverlag Boosey & Hawkes in Berlin ist sie als Vice President Composer Management tätig. Sie schreibt regelmäßig für die Berliner Philharmoniker, die Elbphilharmonie Hamburg, das Lucerne Festival und das Gewandhausorchester Leipzig. 2022 erschien ihre Monographie über die Dirigentin Simone Young.

Between Yesterday and Tomorrow
“Why have we become so divisive in our attitudes to music by tightly segregating musical performance and its audiences?“ Alice Coote asks. Not so in tonight's performance, the singer explains. "This program explores favorite songs and arias through the centuries to the present day, suggesting that what we call ‘Classical’ music is in fact just unforgettably great music from our shared past, and that it belongs on any stage alongside musical masterpieces from any and all human eras.”
Essay by Katy Hamilton
Between Yesterday and Tomorrow
Songs from the 18th to the 21st Centuries
Katy Hamilton
Alice Coote has questions. “Why have we become so divisive in our attitudes to music by tightly segregating musical performance and its audiences? We are becoming more progressive in areas of race and gender attitudes in our societies, and yet we still keep all our beloved music tightly categorized. The period of ‘Classical’ music lasted from approximately 1750 to 1820—so why are we still in the habit of forcing so much great and diverse repertoire under this incorrect and limiting label?”
Not so in tonight’s performance, the singer explains. “This program— admittedly rebellious in spirit although more relaxing than that word might suggest—explores favorite songs and arias through the centuries to the present day, suggesting that what we call ‘Classical’ music is in fact just unforgettably great music from our shared past, and that it belongs on any stage alongside musical masterpieces from any and all human eras.”
Speak, Music—Joy and Pain
Edward Elgar’s Speak, Music sets a poem by the same man who provided the words to Land of Hope and Glory: Arthur Christopher Benson, a member of a distinguished British family whose father had been the Archbishop of Canterbury. There is something telling in the fact that a man whose family members included well-known authors as well as senior churchmen should implore in the final verse that music might “play for me / All that the poet, the priest cannot say for me.” Tonight, this is followed by an ode to joy—not the one that springs straight to mind, but Johann Peter Uz’s An die Freude, here set by Mozart as a gentle song of praise to Joy herself, “Queen of the Wise.”
From the thrilling string and the happiness of the humble artist, the program moves on to the pains of love, which have been captured so exquisitely by composers of all generations and styles. Handel’s princess Zenobia, from his 1720 opera Radamisto, is a profoundly courageous woman who is put repeatedly to the test and driven to the brink of suicidal despair. She sings “Quando mai, spietata sorte” in the opera’s second act, the tormented simplicity of her words matched to a melting vocal line that is entwined with a solo oboe in Handel’s original orchestration.
An altogether more heated depiction of romantic torment is offered by Richard Wagner and Mathilde Wesendonck in Schmerzen. The song sighs and paces in passionate agony, a reflection on the natural law that allows glory and bliss only through the sufferance of despair and oblivion. It is a sentiment shared, across a century and a half, by Elvis Costello and Burt Bacharach in My Thief, released in 1998. The singer’s lover has left him, and he dreams of her every night—in “glorious distress”—when she returns to him. Bacharach, coincidentally, studied with Darius Milhaud in the 1940s; so it seems entirely appropriate to close this group with a mélodie. Gabriel Fauré’s Fleur jetée brims with urgency, the pulsing piano conjuring the ferocious wind that withers fresh blooms and, the poet hopes, will also wither his broken heart.
Remember, O Soul!
The following group of songs explores the idea of the speaker’s distance from those around them, whether from people they adore, communities they used to love or feel a part of—or their sense of that ultimate distance, death. Kurt Weill’s sweetly sorrowing It Never Was You is an extraordinary love song (originally a duet) that denies any presence of love in its words while promising adoration in its music. Tchaikovsky’s Moy geniy, moy angel, moy drug, his earliest surviving song, sets a poem from a cycle by Afanasy Fet addressed To Ophelia. Here gratitude mingles with deep sorrow: Ophelia has brought consolation even from beyond the grave—but she is gone, and the singer mourns even as they thank her.
Robert Schumann’s Sitz ich allein presents a more cheerful depiction of solitude, in which good wine and quiet thinking are the reward for time alone. But the next song follows a rather darker logic: the little fir tree, the elegant rosebush, and even two handsome black horses may one day be taken from their happy surrounds to provide the coffin, wreath, and cortege for your funeral. Hugo Wolf ’s vivid realization of Mörike’s words will leave even the hardiest optimist pondering the vicissitudes of fate.
The next two songs form a perfect pair. David Bowie’s Life on Mars?, released in 1971, was conceived as a parody of Frank Sinatra’s My Way. The “girl with the mousy hair” that we come to meet goes to the movie theater to escape her bleak reality, the lyrics gradually blurring the division between the real world and the dreams of Hollywood. It is followed by Mahler’s Ich bin der Welt abhanden gekommen, an exquisite song of dissolution in which the singer declares themselves “lost to the world,” living now “alone in my heaven, / In my love, in my song!”
Joni Mitchell’s Borderline first appeared on the album Turbulent Indigo of 1994—featuring songs that allude to everything from the ongoing AIDS crisis and the Magdalene Laundries of Ireland to the creative process of Vincent van Gogh. Borderline resonates strongly with our own political moment: a world divided and low on trust, with polarized views and aggressive confrontations forcing us into loneliness and isolation. “All convictions grow,” Mitchell tells us, “along a borderline.” The evening’s first half closes with Leonard Bernstein and Stephen Sondheim’s Somewhere from West Side Story, which speaks of two young people on either sides of just such a borderline, dreaming of a better place where they might be together. The vocal line reaches ever upwards, stretching out a hand to that magical future—which anger, fear, and misfortune will keep from ever coming to pass.
Exquisite Hours
Not every love story ends in tragedy, and the second part of the program begins again with a group of happier songs in which the prospect of romance and future bliss walk hand in hand. Graham Peel’s rapturous The Early Morning is a portrait of a protagonist at one with the world, the sun and the moon coming and going as friends at the start of a new day. Francis Poulenc’s celebrated Les Chemins de l’amour was composed just a few decades after Peel’s song; but here we are in an irresistibly cabaret-infused world, the song bringing us repeatedly from the sadness of joys long passed to those “divine” paths of love. So too does Reynaldo Hahn depict the perfect moment of romantic dreaming, the vocal line left floating in sublime rapture in the final line, announcing the arrival of L’Heure exquise.
Schubert’s Seligkeit is a charming love song–as–waltz, the poet first marveling at the angelic beauties of the hereafter before turning away from them in favor of the earthbound Laura, who clearly owns his heart. And Shelley, set with irresistible passion by Roger Quilter, argues with all the persuasiveness and ardor at his disposal that, if nature provides so many examples of romantic union, surely it is only right that he too should be granted a kiss?
Death and Hope
Having traveled the path from loneliness to blossoming love, we now get to celebrate the power of that love and the hope it may bring to the future. The British soprano Liza Lehmann was a prolific and celebrated composer of English song, and Love if You Knew the Light is a rapturous consideration of those higher and better qualities that the singer sees in their beloved.
Of course, not everyone can say “I love you” quite so straightforwardly: behold Monique, mistakenly identified as the real-life model for the Statue of Liberty in Irving Berlin’s 1949 Miss Liberty. You Can Have Him, Monique declares to her new friend Maisie of the handsome Horace—but it is all too clear that she adores him. It is Nina Simone’s remarkable arrangement of this song that inspired its inclusion tonight: Coote is a great admirer of her genre-breaking artistry. An honest and profound declaration of worship is the subject of Johann Sebastian Bach’s Bist du bei mir—except that it is not, in fact, by Bach. This justly famous aria is actually taken from the 1718 opera Diomedes, composed by Gottfried Heinrich Stölzel, and was arranged by an admiring Bach to great effect.
1968 saw the American musical revue Jacques Brel is Alive and Well and Living in Paris, featuring English-language translations of songs by the Belgian singer-songwriter and film star. My Death (originally known as La Mort) plays to a steady, funereal rhythm in the bass; but whatever and however it happens, Brel declares, he does not care because “whatever is behind the door… in front of that door / There is you.” David Bowie numbered the original cast recording of this show as one of his favorite albums and covered My Death in the early 1970s.
Olivia Chaney’s 2018 House on a Hill is a beautiful moment of retreat, taken from the album Shelter that was written in an 18th-century cottage on the North Yorkshire Moors. It is a song of reflection, the simplicity of a life lived away from urban concerns and guided by nature. The gently pulsing piano accompaniment leads perfectly into John Lennon’s Imagine, the perspective from that hillside perhaps allowing an even clearer view of what the world might be if we could live together. Finally, we are left with the broad horizons and silent rapture of Richard Strauss’s Morgen and the promise perhaps not only of bliss, but of a future full of hope. “And tomorrow the sun will shine again…”
Katy Hamilton is a writer and presenter on music, specializing in 19th-century German repertoire. She has published on the music of Brahms and on 20th-century British concert life and appears as a speaker at concerts and festivals in the UK, in Europe, and on BBC Radio.
Die Künstler:innen

Alice Coote
Mezzosopran
Die britische Mezzosopranistin Alice Coote war mit Liederabenden u.a. in der Londoner Wigmore Hall, bei den BBC Proms, beim Edinburgh Festival, im Concertgebouw Amsterdam, im Wiener Konzerthaus sowie im Lincoln Center und der Carnegie Hall in New York zu erleben. Neben Julius Drake arbeitet sie regelmäßig auch mit Graham Johnson und Christian Blackshaw zusammen. Als Opernsängerin gastiert sie an den wichtigsten Bühnen der Welt, darunter die Metropolitan Opera in New York, die Bayerische Staatsoper, die Opéra de Paris, die Wiener Staatsoper und die Lyric Opera of Chicago, und tritt außerdem bei den Festivals in Glyndebourne und Salzburg auf. In jüngerer Vergangenheit war sie als Juno in Händels Semele am Théâtre des Champs-Élysées in Paris und am Royal Opera House in London, als Dorabella in Così fan tutte in der Philharmonie de Luxembourg, in der Titelrolle von Händels Agrippina an der Hamburgischen Staatsoper sowie als Mère Marie in Poulencs Dialogues des Carmélites an der Oper Zürich zu hören. Zu den Höhepunkten der aktuellen Saison zählen Auftritte mit Bartóks Herzog Blaubarts Burg mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra sowie Elgars Sea Pictures mit dem Orchestre national d’Île-de-France und The Dream of Gerontius mit dem Symphonieorchester der Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Sir Simon Rattle.
März 2026

Julius Drake
Klavier
Julius Drake ist als Pianist und Klavierbegleiter in allen großen Musikzentren weltweit zu Gast, darunter die Festivals in Aldeburgh, Edinburgh, Salzburg, München, Schwarzenberg-Hohenems und Oxford, die Carnegie Hall und das Lincoln Center in New York, die Berliner Philharmonie, das Concertgebouw Amsterdam, das Teatro alla Scala in Mailand, das Konzerthaus und der Musikverein in Wien sowie die Wigmore Hall in London. Zu seinen künstlerischen Partnern zählten und zählen Sänger:innen wie Sir Thomas Allen, Ian Bostridge, Iestyn Davies, Joyce DiDonato, Gerald Finley, Simon Keenlyside, Angelika Kirchschlager, Julia Kleiter, Dame Felicity Lott, Christoph Prégardien, Anna Prohaska und viele andere. Für die Wigmore Hall, das Concertgebouw und die BBC kuratierte er eigene Reihen mit Liederabenden, und in der Londoner Middle Temple Hall gibt er jährlich eine Serie von Recitals unter dem Titel „Julius Drake and Friends“. Für seine zahlreichen Aufnahmen erhielt er u.a. den Gramophone Award und den Deutschen Schallplattenpreis. Von 2000 bis 2003 war er Leiter des Perth International Chamber Music Festival, 2009 leitete er das Leeds Lieder Festival. Im gleichen Jahr übernahm er die künstlerische Leitung des Machynlleth Festival in Wales. Julius Drake ist Professor an der Londoner Guildhall School of Music and Drama und unterrichtete 14 Jahre lang an der Kunstuniversität Graz. Für den Pierre Boulez Saal kuratiert er seit 2021 die Reihe „Lied und Lyrik“, die Texte ausgewählter Dichter mit Vertonungen aus unterschiedlichen Epochen kombiniert.
März 2026