Laurence Dreyfus Diskantgambe und musikalische Leitung
Emilia Benjamin Diskantgambe
Jonathan Manson Altgambe
Heidi Gröger Altgambe
Markku Luolajan-Mikkola Bassgambe

Elizabeth Kenny Laute und Theorbe

Anthony Holborne
Auszüge aus Pavans, Galliards, Almains and other Short Aires

John Dowland
Auszüge aus Lachrimae, or Seven Teares

John Jenkins
Pavan g-moll
Ayre c-moll
Almaine c-moll
Coranto c-moll

William Lawes
Royal Consort Sett Nr. 5 D-Dur
Royal Consort Sett Nr. 9 F-Dur

Anthony Holborne (um 1545–1602)
aus Pavans, Galliards, Almains and other Short Aires (1599)

Pavan. Ploravit
Galliard. Sic semper soleo
Pavan. Heres paternus
Galliard. Muy linda
Galliard. Heigh ho holiday
Galliard. As it fell on a holie eve
Almain. The Night Watch
Almain. The Honie-Suckle
Galliard. Fairy Rounde


John Dowland (um 1563–1626)
aus Lachrimae, or Seven Teares (1603)

Lachrimae gementes
Lachrimae tristes
Mr. Giles Hobie’s Galliard
The King of Denmark’s Galliard
Lachrimae coactae
Lachrimae amantis
Mr. Thomas Collier his Galliard with two trebles
Mr. Bucton his Galliard
The Earle of Essex Galliard


Pause


John Jenkins (1592–1678)
Pavan g-moll
Ayre c-moll
Almaine c-moll
Coranto c-moll


William Lawes (1602–1645)
Royal Consort Sett Nr. 5 D-Dur

Aire – Aire – Alman – Courant – Courant – Morriss – Saraband


Royal Consort Sett Nr. 9 F-Dur

Pavan – Aire – Alman – Courant – Alman – Courant – Saraband

Anthony Holborne (um 1545–1602)
aus Pavans, Galliards, Almains and other Short Aires (1599)

Pavan. Ploravit
Galliard. Sic semper soleo
Pavan. Heres paternus
Galliard. Muy linda
Galliard. Heigh ho holiday
Galliard. As it fell on a holie eve
Almain. The Night Watch
Almain. The Honie-Suckle
Galliard. Fairy Rounde


John Dowland (um 1563–1626)
aus Lachrimae, or Seven Teares (1603)

Lachrimae gementes
Lachrimae tristes
Mr. Giles Hobie’s Galliard
The King of Denmark’s Galliard
Lachrimae coactae
Lachrimae amantis
Mr. Thomas Collier his Galliard with two trebles
Mr. Bucton his Galliard
The Earle of Essex Galliard


Pause


John Jenkins (1592–1678)
Pavan g-moll
Ayre c-moll
Almaine c-moll
Coranto c-moll


William Lawes (1602–1645)
Royal Consort Sett Nr. 5 D-Dur

Aire – Aire – Alman – Courant – Courant – Morriss – Saraband


Royal Consort Sett Nr. 9 F-Dur

Pavan – Aire – Alman – Courant – Alman – Courant – Saraband

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Ausschnitt aus der (gesüdeten) Weltkarte des Muhammad Al-Idrisi, entstanden um 1154 für Roger II. von Sizilien. Zu sehen ist der östliche Mittelmeerraum mit der griechischen Halbinsel unten rechts (Reproduktion aus dem 19. Jahrhundert)  (Bibliothèque nationale de France)

Als eines der ältesten Instrumente der Menschheit ist die Oud ein elementarer Bestandteil verschiedenster musikalischer Kulturen – nicht nur im Nahen Osten und Nordafrika, sondern auch in anderen Teilen der Welt, in die sie durch Migrationsbewegungen, kulturellen Austausch und Handel gelangte. Indem sie sich auf ihrem Weg verschiedenen musikalischen Kontexten von östlichen Maqamat über westliche Tonleitern bis hin zu Sufi-Gesängen und Volksmusik anpasste, liefert die Oud den Beweis für die Kraft der Kunst, Grenzen zu überwinden.

Einführung von Naseer Shamma

The Journey of Instruments

Als eines der ältesten Instrumente der Menschheit ist die Oud ein herausragendes Symbol für die musikalische Zivilisation des gesamten Nahen Ostens. Die frühesten archäologischen Belege gehen auf das Reich von Akkad im alten Mesopotamien zurück, wo um 2350 vor unserer Zeitrechnung Lauteninstrumente in Wandmalereien und Steinreliefs auftauchen. Seit dieser fernen Zeit ist die Oud ein elementarer Bestandteil verschiedenster musikalischer Kulturen – nicht nur im Nahen Osten und Nordafrika, sondern auch in anderen Teilen der Welt, in die sie durch Migrationsbewegungen, kulturellen Austausch und Handel gelangte.

Weit mehr als nur die Ausbreitung eines Musikinstruments von einem Land ins nächste, macht die Reise der Oud einen kulturellen Zusammenhang sichtbar, der die Interaktion und Kommunikation zwischen unterschiedlichen Völkern widerspiegelt. Indem sie sich auf ihrem Weg verschiedenen musikalischen Kontexten von östlichen Maqamat über westliche Tonleitern bis hin zu Sufi-Gesängen und Volksmusik anpasste, liefert die Oud den Beweis für die Kraft der Kunst, Grenzen zu überwinden.

Die Oud entstand innerhalb eines reichen kulturellen Umfelds von musikalischen Innovationen, wo sie Teil künstlerischer Aktivitäten in Tempeln, Palästen und auf Marktplätzen war. Dank ihrer einfachen Bauart – ein birnenförmiger Korpus mit kurzem Hals und mit Darmsaiten bespannt – war sie praktisch und einfach zu transportieren, was ihre Ausbreitung entlang von Handelsrouten und im Rahmen militärischer Kampagnen noch beschleunigte. Im Laufe der Zeit nahm sie neue Gestalten und Namen an wie die der türkischen Bağlama, der persischen Tar, der griechischen Bouzouki, der italienischen Mandoline oder der spanischen Gitarre. Einen Teil dieser Geschichte zeichnen unsere fünf Konzerte im Pierre Boulez Saal in dieser Spielzeit nach.

Im Irak hören wir die Oud in ihrer natürlichen Umgebung, wo sie Geschichten aus dem alten Mesopotamien erzählt. In Iran werden wir Zeug:innen des Austauschs und der gegenseitigen Beeinflussung mit der Tar und anderen persischen Instrumenten. In Indien können wir entdecken, wie der Geist der Oud in einer faszinierenden historischen Entwicklung in die Sitar weiterlebt. Und in Spanien erfahren wir, wie der Flamenco den Klang des Nahen Ostens im mediterranen Kontext neu definierte. Den Abschluss unserer Reise bilden Mitteleuropa und die Laute der Barockzeit.

Diese fünf Abende sind mehr als nur Konzerte – es sind Begegnungen mit der Zeit, in denen Melodien zu Geschichte werden. Die Reihe ist eine Einladung, den Weg der Oud als Instrument und als Brücke zwischen den Zivilisationen zu verfolgen. Er offenbart Gemeinsamkeiten der menschlichen Erfahrung und hilft uns zu verstehen, dass die Saiten, die akkadische Musiker vor 4000 Jahren anschlugen, noch immer nachklingen.

Herzlich willkommen auf der Reise der Instrumente!

Naseer Shamma 

The Journey of Instruments

Als eines der ältesten Instrumente der Menschheit ist die Oud ein herausragendes Symbol für die musikalische Zivilisation des gesamten Nahen Ostens. Die frühesten archäologischen Belege gehen auf das Reich von Akkad im alten Mesopotamien zurück, wo um 2350 vor unserer Zeitrechnung Lauteninstrumente in Wandmalereien und Steinreliefs auftauchen. Seit dieser fernen Zeit ist die Oud ein elementarer Bestandteil verschiedenster musikalischer Kulturen – nicht nur im Nahen Osten und Nordafrika, sondern auch in anderen Teilen der Welt, in die sie durch Migrationsbewegungen, kulturellen Austausch und Handel gelangte.

Weit mehr als nur die Ausbreitung eines Musikinstruments von einem Land ins nächste, macht die Reise der Oud einen kulturellen Zusammenhang sichtbar, der die Interaktion und Kommunikation zwischen unterschiedlichen Völkern widerspiegelt. Indem sie sich auf ihrem Weg verschiedenen musikalischen Kontexten von östlichen Maqamat über westliche Tonleitern bis hin zu Sufi-Gesängen und Volksmusik anpasste, liefert die Oud den Beweis für die Kraft der Kunst, Grenzen zu überwinden.

Die Oud entstand innerhalb eines reichen kulturellen Umfelds von musikalischen Innovationen, wo sie Teil künstlerischer Aktivitäten in Tempeln, Palästen und auf Marktplätzen war. Dank ihrer einfachen Bauart – ein birnenförmiger Korpus mit kurzem Hals und mit Darmsaiten bespannt – war sie praktisch und einfach zu transportieren, was ihre Ausbreitung entlang von Handelsrouten und im Rahmen militärischer Kampagnen noch beschleunigte. Im Laufe der Zeit nahm sie neue Gestalten und Namen an wie die der türkischen Bağlama, der persischen Tar, der griechischen Bouzouki, der italienischen Mandoline oder der spanischen Gitarre. Einen Teil dieser Geschichte zeichnen unsere fünf Konzerte im Pierre Boulez Saal in dieser Spielzeit nach.

Im Irak hören wir die Oud in ihrer natürlichen Umgebung, wo sie Geschichten aus dem alten Mesopotamien erzählt. In Iran werden wir Zeug:innen des Austauschs und der gegenseitigen Beeinflussung mit der Tar und anderen persischen Instrumenten. In Indien können wir entdecken, wie der Geist der Oud in einer faszinierenden historischen Entwicklung in die Sitar weiterlebt. Und in Spanien erfahren wir, wie der Flamenco den Klang des Nahen Ostens im mediterranen Kontext neu definierte. Den Abschluss unserer Reise bilden Mitteleuropa und die Laute der Barockzeit.

Diese fünf Abende sind mehr als nur Konzerte – es sind Begegnungen mit der Zeit, in denen Melodien zu Geschichte werden. Die Reihe ist eine Einladung, den Weg der Oud als Instrument und als Brücke zwischen den Zivilisationen zu verfolgen. Er offenbart Gemeinsamkeiten der menschlichen Erfahrung und hilft uns zu verstehen, dass die Saiten, die akkadische Musiker vor 4000 Jahren anschlugen, noch immer nachklingen.

Herzlich willkommen auf der Reise der Instrumente!

Naseer Shamma 

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Illustration zur Geschichte von Ibrahim und dem Sänger aus Zakariya al-Qazwinis Buch der Wunder der Schöpfung und der Merkwürdigkeiten der existierenden Dinge, Persien, 13./14. Jahrhundert  (Staatsbibliothek Berlin)

Ein Instrument, dem so viel Verehrung und Bewunderung entgegengebracht wird wie der Oud, muss, so möchte man meinen, sagenhaften Ursprungs sein. Verschiedenen Legenden zufolge waren es entweder der Prophet Mohammed, der griechische Philosoph Phytagoras oder Lamech, der Sohn Methusalems und Vater Noahs, die den Vorgänger aller Lauteninstrumente erfanden.

Essay von Jean During

Ein universelles Instrument 
Eine kurze Geschichte der Oud

Jean During


Mythische Ursprünge

Ein Instrument, dem so viel Verehrung und Bewunderung entgegengebracht wird wie der Oud, muss, so möchte man meinen, sagenhaften Ursprungs sein. Einer Legende zufolge baute der Prophet Mohammed die erste Laute, die allerdings keinen Ton von sich gab, weil ihr Steg und Sattel fehlten, die die Saiten mit dem Korpus des Instruments verbinden. Daraufhin kam ihm Satan zur Hilfe und fügte diese beiden entscheidenden Elemente hinzu. Die Laute hatte nun zwar einen schönen Klang, doch der Prophet wollte sie nicht spielen, weil sie vom Teufel berührt worden war. 

Die indisch-persische medizinische Enzyklopädie des Nureddin Muhammad Shirazi aus dem 17. Jahrhundert beschreibt, wie der griechische Philosoph Pythagoras den Vorgänger aller Lauteninstrumente schuf. Er entdeckte im Urwald die Leiche eines Affen, dessen Gedärme zwischen den Ästen aufgespannt waren und Töne erzeugten, wenn der Wind hindurchwehte. Daraufhin zog Pythagoras die Haut des Affen über eine Kokosnuss und baute so die erste Laute. Eine ähnliche Geschichte existiert in Chinesisch-Turkestan und in Indien. Sie erinnert an eine weitere Version, in der die Erfindung der Laute Lamech, dem Sohn Methusalems und Vater Noahs, zugeschrieben wird. Nach der Beschreibung des Autors Ibn Chordadhbeh aus dem 9. Jahrhundert wurde das Instrument aus dem zerstückelten Leichnam von Lamechs Sohn hergestellt, den dieser an einem Baum hängend gefunden hatte. In dieser Überlieferung symbolisiert der Korpus der Laute den Oberschenkel, der Saitenhalter den Fuß, das Griffbrett die Knöchel und die Saiten die Blutgefäße. Lamech brachte das Instrument zum Klingen und stimmte ein Klagelied an.

Vorläufer

Bis zum Erscheinen des Barbat, dem wichtigsten Vorläufer der Oud, um das 2. Jahrhundert v. u. Z. war die Spießlaute mehr als 2000 Jahre lang die am weitesten verbreitete Laute. Sie hat einen runden Hals, der die Haut der Schalldecke kreuzt und an dem die Saiten befestigt sind, und ist südlich der Sahara noch immer in Gebrauch. Eine Subsahara-Variante, die den alten ägyptischen und hethitischen Lauten ähnelt, wird durch Zupfen der Saiten mit den Fingern gespielt. Eine andere Version der mit Haut bespannten Spießlaute, die von den Imazighen in Marokko verwendet wird, hat einen birnenförmigen Korpus und drei oder vier Saiten, die wie bei der Oud mit einem Plektrum angeschlagen werden. Wahrscheinlich gehörte auch die vorislamische arabische Laute, die dann vom Barbat verdrängt wurde, zu dieser Kategorie.

Die ältesten bildlichen Darstellungen des Barbat, der seinen Ursprung höchstwahrscheinlich in Zentralasien hat, datieren aus dem 1. Jahrhundert v. u. Z. und wurden im heutigen Südusbekistan und Nordtadschikistan gefunden. In Nordwestindien taucht das Instrument im 1. Jahrhundert n. u. Z. auf; in Persien wurde es vermutlich einige Jahrzehnte später eingeführt. Um 600 n. u. Z. übernahmen die Araber im Hedschas, dem westlichen Teil der Arabischen Halbinsel, den Barbat, der inzwischen im gesamten Nahen Osten und Zentralasien verbreitet war. Eine als Kwitra (daher stammt das Wort „Gitarre“) bekannte Ausführung mit vier Doppelsaiten wird bis heute in Marokko und Algerien gespielt.

Auf seinem Weg nach Osten inspirierte der Barbat die Entstehung der chinesischen Pipa und der japanischen Biwa, beides Instrumente, die ihren Ursprüngen noch sehr nah stehen, wie die Etymologie ihrer Namen zeigt (wobei Barbat zunächst zu Pipa und dann zu Biwa sinisiert wurde). In kultureller Hinsicht überlebte der Barbat in der klassischen Dichtung jahrhundertelang als bildlicher Ausdruck für das goldene Zeitalter der persischen Musik.

Die wichtigste Neuerung des Instruments bestand darin, dass Korpus und Hals aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt waren und man statt Pergament eine hölzerne Schalldecke verwendete – ein zeitaufwändiges Verfahren, für das sehr viel Holz benötigt wurde. Im Gegensatz dazu besteht der Korpus der Oud aus verleimten Holzstreifen, und der Hals ist vom Korpus getrennt; diese Bauweise ist bei den meisten Langhalslauten auch heute noch zu finden. Die iranische Ikonografie belegt die Verwendung des Barbat bis ins 10. Jahrhundert hinein, und noch im 11. Jahrhundert wurde ein Hofmusiker als Barbati, nicht als Oudi bezeichnet. Doch aufgrund ihres größeren, tieferen, stärker gerundeten und aus Leisten zusammengeleimten Korpus sowie durch das Hinzufügen einer weiteren Saite (oder der Verdopplung der vorhandenen) war die Oud sowohl leichter wie auch klangstärker als ihre Vorläufer – ein neues Instrument war geboren. Mit Beginn des 14. Jahrhundert war der Barbat fast vollständig aus dem Nahen Osten verschwunden und durch die sogenannte „vollkommene“ Oud (kamil) mit fünf Doppelsaiten ersetzt worden; eine spätere Verbesserung war die „vollkommenste“ Oud (akmal) mit einer zusätzlichen tiefen Saite. Die Bezeichnung Oud geht möglicherweise auf die mittelpersische Worte barbud („Saite“) oder rud („Laute“) zurück. Im Arabischen bedeutet oud soviel wie „Stock“ oder „Zweig“, was mit einer Laute nichts zu tun hat, auch wenn es oft behauptet wird. [Einer anderen Etymologie zufolge kann Stock oder Zweig im weiteren Sinne auch „Holz“ bedeuten, was somit den Korpus des Instruments beschreibt, Amn. d. Red.]

Spieltechniken

Die alten Beschreibungen der arabischen Oud sind so präzise, dass es möglich ist, ein Instrument zu konstruieren, das dem Vorbild aus dem 14. Jahrhundert entspricht. Von dem Philosophen und Musiktheoretiker al-Kindi aus dem 9. Jahrhundert wissen wir, dass der Barbat vier seidene Saiten hatte, wie sie sich auch bei der Pipa und der Biwa finden, während für die Oud Darmsaiten üblich wurden (heute meist ersetzt durch synthetische Materialien, die weniger empfindlich auf Feuchtigkeitsschwankungen reagieren). Bei der Beschreibung eines Saiteninstruments darf man allerdings nicht vergessen, dass die Spieltechnik häufig wichtiger ist als Form und Material. Die Pipa etwa sieht der Biwa sehr ähnlich, doch wird Letztere mit einem großen dreieckigen Plektrum gespielt, wodurch vollkommen andere Klänge und Wirkungen erzielt werden. Ebenso wird die europäische Laute mit den Fingerspitzen gezupft, die Oud dagegen mit einem Plektrum gespielt.

Die Frage, ob die historische Oud Bünde hatte, konnte kürzlich nach umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen beantwortet werden. Die halbkonische Form des Halses, der geringe Abstand zwischen den Saiten und dem Griffbrett sowie die nicht temperierten Skalen, die auf leichten Abweichungen in der Intonation beruhen, lassen Bünde unrealistisch erscheinen. Eine alte Anekdote berichtet von einem berühmten frühen Musiker, der aufgefordert wurde, auf einer absichtlich verstimmten Laute zu spielen. Er meisterte diese Herausforderung mühelos und reproduzierte die Melodie vollkommen korrekt, was nur auf einem glatten Hals ohne Bünde möglich ist. (Dagegen sind Bünde für harmonisch strukturierte und polyphone Musik unerlässlich, und ihre genaue Positionierung war während des europäischen Barocks Gegenstand detaillierter Studien.)

Nach Europa

Infolge der arabischen Eroberung der Iberischen Halbinsel, die im Jahr 711 begann, wurden in der christlichen Welt viele Musikinstrumente aus dem Nahen Osten übernommen. Die früheste bekannte europäische Darstellung einer Laute findet sich an einer Skulptur aus dem späten 11. Jahrhundert in der Kathedrale von Jaca in Aragon. Um 1280 wurde eine Oud in der spanischen Musikhandschrift der Cantigas de Santa Maria abgebildet. Dieses Instrument hat neun Saiten, wahrscheinlich vier Paare plus eine Einzelsaite, und wird nach wie vor mit einem Plektrum gespielt. Die Laute begann sich im 14. Jahrhundert in ganz Europa zu verbreiten und blieb mehr als 300 Jahre lang eines der wichtigsten Instrumente, wobei sie zahlreiche Modifikationen und Abwandlungen erfuhr. Merkwürdigerweise verschwand sie um das Jahr 1780 herum und wurde durch die Gitarre ersetzt, tauchte jedoch im 20. Jahrhundert wieder auf. Charakteristisch für die frühesten europäischen Lauten sind ihre Leichtigkeit und das verwendete Holz, wobei die Holzstreifen, aus denen der Korpus der Instrumente gebaut ist, oft nur einen Millimeter dick sind. Dadurch sind sie äußerst fragil, sodass von der großen Anzahl der hergestellten Lauten nur sehr wenige erhalten blieben. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist, dass diese Instrumente mit mehreren Fingern gezupft wurden, um den Anforderungen von Polyphonie und Kontrapunkt gerecht zu werden.

Bei der Entwicklung der verschiedenen Mitglieder der Oud-Familie zu ihren zahlreichen nationalen und lokalen Varianten bestand eine allgemeine Tendenz darin, Saiten hinzuzufügen und die Größe und Lautstärke des Instruments zu steigern. Persische Miniaturen aus dem 16. und 17. Jahrhundert zeigen eine riesige Schahrud oder „königliche Laute“, hinter der der Musiker fast verschwindet. Ungefähr zur gleichen Zeit entstand in Italien die Theorbe (auch Chitarrone genannt), die nicht weniger als 14 Saiten hat und fast zwei Meter messen kann.

In der Türkei wurde die Oud von der Tanbur abgelöst, während in Persien eine andere, später als Tar bekannte Form der Laute in den Vordergrund trat. Ihr Aufbau unterscheidet sich deutlich von dem der Oud: Sie besitzt einen langen Hals, und ihre Schalldecke besteht aus dünnem Pergament statt aus Holz. Die Darm- oder Seidensaiten sind durch Metallsaiten ersetzt worden, sodass ein brillanter Klangentsteht, der durch ausgefeilte Plektrumtechniken noch verstärkt wird.

Die Oud heute

Was die modale Komplexität des klassischen Maqam und seine klangliche Darstellung betrifft, ist die Oud jedoch konkurrenzlos geblieben. Das gilt insbesondere in der arabischen Welt, wo sie ihre Vormachtstellung nie verloren hat. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewann sie bei türkischen Musiker:innen erneut an Beliebtheit, und zur selben Zeit erlebte auch die Laute dank der Wiederentdeckung der Barock- und Renaissancemusik in Nordeuropa eine neue Blüte. Im Iran galt die Oud mehrere Jahrhunderte lang als ausgestorben, doch ein in einem Korridor des Golestanpalastes in Teheran verstecktes Fresko aus der Zeit um 1830 zeigt eine Oud spielende Kurtisane. Nach einer zaghaften Wiedereinführung in den 1960er Jahren erlebte das Instrument in den 2000er Jahren einen erneuten Popularitätsschub.

Heute werden überall im Nahen Osten und Nordafrika Ouds in unterschiedlichen Stilen gebaut, u.a. in Ägypten, Syrien, der Türkei, Irak, Iran und Marokko. Im Laufe der Zeit ist die Oud so universell geworden wie die Violine.

Übersetzung aus dem Englischen: Sylvia Zirden


Prof. Jean During ist emeritierter Research Fellow am Centre national de la recherche scientifique in Paris. In seiner Feldforschung beschäftigt er sich mit verschiedenen Musiktraditionen Zentralasiens und mit Sufi-Ritualen. Er ist Autor von zwölf Büchern über diese musikalischen Kulturen und von zahlreichen Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften und Enzyklopädien. 2016 wurde er für seinen Beitrag zur Erforschung arabischer Musik mit dem Ziryab Prize des tunesischen Ministeriums für Kultur ausgezeichnet. 

Ein universelles Instrument 
Eine kurze Geschichte der Oud

Jean During


Mythische Ursprünge

Ein Instrument, dem so viel Verehrung und Bewunderung entgegengebracht wird wie der Oud, muss, so möchte man meinen, sagenhaften Ursprungs sein. Einer Legende zufolge baute der Prophet Mohammed die erste Laute, die allerdings keinen Ton von sich gab, weil ihr Steg und Sattel fehlten, die die Saiten mit dem Korpus des Instruments verbinden. Daraufhin kam ihm Satan zur Hilfe und fügte diese beiden entscheidenden Elemente hinzu. Die Laute hatte nun zwar einen schönen Klang, doch der Prophet wollte sie nicht spielen, weil sie vom Teufel berührt worden war. 

Die indisch-persische medizinische Enzyklopädie des Nureddin Muhammad Shirazi aus dem 17. Jahrhundert beschreibt, wie der griechische Philosoph Pythagoras den Vorgänger aller Lauteninstrumente schuf. Er entdeckte im Urwald die Leiche eines Affen, dessen Gedärme zwischen den Ästen aufgespannt waren und Töne erzeugten, wenn der Wind hindurchwehte. Daraufhin zog Pythagoras die Haut des Affen über eine Kokosnuss und baute so die erste Laute. Eine ähnliche Geschichte existiert in Chinesisch-Turkestan und in Indien. Sie erinnert an eine weitere Version, in der die Erfindung der Laute Lamech, dem Sohn Methusalems und Vater Noahs, zugeschrieben wird. Nach der Beschreibung des Autors Ibn Chordadhbeh aus dem 9. Jahrhundert wurde das Instrument aus dem zerstückelten Leichnam von Lamechs Sohn hergestellt, den dieser an einem Baum hängend gefunden hatte. In dieser Überlieferung symbolisiert der Korpus der Laute den Oberschenkel, der Saitenhalter den Fuß, das Griffbrett die Knöchel und die Saiten die Blutgefäße. Lamech brachte das Instrument zum Klingen und stimmte ein Klagelied an.

Vorläufer

Bis zum Erscheinen des Barbat, dem wichtigsten Vorläufer der Oud, um das 2. Jahrhundert v. u. Z. war die Spießlaute mehr als 2000 Jahre lang die am weitesten verbreitete Laute. Sie hat einen runden Hals, der die Haut der Schalldecke kreuzt und an dem die Saiten befestigt sind, und ist südlich der Sahara noch immer in Gebrauch. Eine Subsahara-Variante, die den alten ägyptischen und hethitischen Lauten ähnelt, wird durch Zupfen der Saiten mit den Fingern gespielt. Eine andere Version der mit Haut bespannten Spießlaute, die von den Imazighen in Marokko verwendet wird, hat einen birnenförmigen Korpus und drei oder vier Saiten, die wie bei der Oud mit einem Plektrum angeschlagen werden. Wahrscheinlich gehörte auch die vorislamische arabische Laute, die dann vom Barbat verdrängt wurde, zu dieser Kategorie.

Die ältesten bildlichen Darstellungen des Barbat, der seinen Ursprung höchstwahrscheinlich in Zentralasien hat, datieren aus dem 1. Jahrhundert v. u. Z. und wurden im heutigen Südusbekistan und Nordtadschikistan gefunden. In Nordwestindien taucht das Instrument im 1. Jahrhundert n. u. Z. auf; in Persien wurde es vermutlich einige Jahrzehnte später eingeführt. Um 600 n. u. Z. übernahmen die Araber im Hedschas, dem westlichen Teil der Arabischen Halbinsel, den Barbat, der inzwischen im gesamten Nahen Osten und Zentralasien verbreitet war. Eine als Kwitra (daher stammt das Wort „Gitarre“) bekannte Ausführung mit vier Doppelsaiten wird bis heute in Marokko und Algerien gespielt.

Auf seinem Weg nach Osten inspirierte der Barbat die Entstehung der chinesischen Pipa und der japanischen Biwa, beides Instrumente, die ihren Ursprüngen noch sehr nah stehen, wie die Etymologie ihrer Namen zeigt (wobei Barbat zunächst zu Pipa und dann zu Biwa sinisiert wurde). In kultureller Hinsicht überlebte der Barbat in der klassischen Dichtung jahrhundertelang als bildlicher Ausdruck für das goldene Zeitalter der persischen Musik.

Die wichtigste Neuerung des Instruments bestand darin, dass Korpus und Hals aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt waren und man statt Pergament eine hölzerne Schalldecke verwendete – ein zeitaufwändiges Verfahren, für das sehr viel Holz benötigt wurde. Im Gegensatz dazu besteht der Korpus der Oud aus verleimten Holzstreifen, und der Hals ist vom Korpus getrennt; diese Bauweise ist bei den meisten Langhalslauten auch heute noch zu finden. Die iranische Ikonografie belegt die Verwendung des Barbat bis ins 10. Jahrhundert hinein, und noch im 11. Jahrhundert wurde ein Hofmusiker als Barbati, nicht als Oudi bezeichnet. Doch aufgrund ihres größeren, tieferen, stärker gerundeten und aus Leisten zusammengeleimten Korpus sowie durch das Hinzufügen einer weiteren Saite (oder der Verdopplung der vorhandenen) war die Oud sowohl leichter wie auch klangstärker als ihre Vorläufer – ein neues Instrument war geboren. Mit Beginn des 14. Jahrhundert war der Barbat fast vollständig aus dem Nahen Osten verschwunden und durch die sogenannte „vollkommene“ Oud (kamil) mit fünf Doppelsaiten ersetzt worden; eine spätere Verbesserung war die „vollkommenste“ Oud (akmal) mit einer zusätzlichen tiefen Saite. Die Bezeichnung Oud geht möglicherweise auf die mittelpersische Worte barbud („Saite“) oder rud („Laute“) zurück. Im Arabischen bedeutet oud soviel wie „Stock“ oder „Zweig“, was mit einer Laute nichts zu tun hat, auch wenn es oft behauptet wird. [Einer anderen Etymologie zufolge kann Stock oder Zweig im weiteren Sinne auch „Holz“ bedeuten, was somit den Korpus des Instruments beschreibt, Amn. d. Red.]

Spieltechniken

Die alten Beschreibungen der arabischen Oud sind so präzise, dass es möglich ist, ein Instrument zu konstruieren, das dem Vorbild aus dem 14. Jahrhundert entspricht. Von dem Philosophen und Musiktheoretiker al-Kindi aus dem 9. Jahrhundert wissen wir, dass der Barbat vier seidene Saiten hatte, wie sie sich auch bei der Pipa und der Biwa finden, während für die Oud Darmsaiten üblich wurden (heute meist ersetzt durch synthetische Materialien, die weniger empfindlich auf Feuchtigkeitsschwankungen reagieren). Bei der Beschreibung eines Saiteninstruments darf man allerdings nicht vergessen, dass die Spieltechnik häufig wichtiger ist als Form und Material. Die Pipa etwa sieht der Biwa sehr ähnlich, doch wird Letztere mit einem großen dreieckigen Plektrum gespielt, wodurch vollkommen andere Klänge und Wirkungen erzielt werden. Ebenso wird die europäische Laute mit den Fingerspitzen gezupft, die Oud dagegen mit einem Plektrum gespielt.

Die Frage, ob die historische Oud Bünde hatte, konnte kürzlich nach umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen beantwortet werden. Die halbkonische Form des Halses, der geringe Abstand zwischen den Saiten und dem Griffbrett sowie die nicht temperierten Skalen, die auf leichten Abweichungen in der Intonation beruhen, lassen Bünde unrealistisch erscheinen. Eine alte Anekdote berichtet von einem berühmten frühen Musiker, der aufgefordert wurde, auf einer absichtlich verstimmten Laute zu spielen. Er meisterte diese Herausforderung mühelos und reproduzierte die Melodie vollkommen korrekt, was nur auf einem glatten Hals ohne Bünde möglich ist. (Dagegen sind Bünde für harmonisch strukturierte und polyphone Musik unerlässlich, und ihre genaue Positionierung war während des europäischen Barocks Gegenstand detaillierter Studien.)

Nach Europa

Infolge der arabischen Eroberung der Iberischen Halbinsel, die im Jahr 711 begann, wurden in der christlichen Welt viele Musikinstrumente aus dem Nahen Osten übernommen. Die früheste bekannte europäische Darstellung einer Laute findet sich an einer Skulptur aus dem späten 11. Jahrhundert in der Kathedrale von Jaca in Aragon. Um 1280 wurde eine Oud in der spanischen Musikhandschrift der Cantigas de Santa Maria abgebildet. Dieses Instrument hat neun Saiten, wahrscheinlich vier Paare plus eine Einzelsaite, und wird nach wie vor mit einem Plektrum gespielt. Die Laute begann sich im 14. Jahrhundert in ganz Europa zu verbreiten und blieb mehr als 300 Jahre lang eines der wichtigsten Instrumente, wobei sie zahlreiche Modifikationen und Abwandlungen erfuhr. Merkwürdigerweise verschwand sie um das Jahr 1780 herum und wurde durch die Gitarre ersetzt, tauchte jedoch im 20. Jahrhundert wieder auf. Charakteristisch für die frühesten europäischen Lauten sind ihre Leichtigkeit und das verwendete Holz, wobei die Holzstreifen, aus denen der Korpus der Instrumente gebaut ist, oft nur einen Millimeter dick sind. Dadurch sind sie äußerst fragil, sodass von der großen Anzahl der hergestellten Lauten nur sehr wenige erhalten blieben. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist, dass diese Instrumente mit mehreren Fingern gezupft wurden, um den Anforderungen von Polyphonie und Kontrapunkt gerecht zu werden.

Bei der Entwicklung der verschiedenen Mitglieder der Oud-Familie zu ihren zahlreichen nationalen und lokalen Varianten bestand eine allgemeine Tendenz darin, Saiten hinzuzufügen und die Größe und Lautstärke des Instruments zu steigern. Persische Miniaturen aus dem 16. und 17. Jahrhundert zeigen eine riesige Schahrud oder „königliche Laute“, hinter der der Musiker fast verschwindet. Ungefähr zur gleichen Zeit entstand in Italien die Theorbe (auch Chitarrone genannt), die nicht weniger als 14 Saiten hat und fast zwei Meter messen kann.

In der Türkei wurde die Oud von der Tanbur abgelöst, während in Persien eine andere, später als Tar bekannte Form der Laute in den Vordergrund trat. Ihr Aufbau unterscheidet sich deutlich von dem der Oud: Sie besitzt einen langen Hals, und ihre Schalldecke besteht aus dünnem Pergament statt aus Holz. Die Darm- oder Seidensaiten sind durch Metallsaiten ersetzt worden, sodass ein brillanter Klangentsteht, der durch ausgefeilte Plektrumtechniken noch verstärkt wird.

Die Oud heute

Was die modale Komplexität des klassischen Maqam und seine klangliche Darstellung betrifft, ist die Oud jedoch konkurrenzlos geblieben. Das gilt insbesondere in der arabischen Welt, wo sie ihre Vormachtstellung nie verloren hat. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewann sie bei türkischen Musiker:innen erneut an Beliebtheit, und zur selben Zeit erlebte auch die Laute dank der Wiederentdeckung der Barock- und Renaissancemusik in Nordeuropa eine neue Blüte. Im Iran galt die Oud mehrere Jahrhunderte lang als ausgestorben, doch ein in einem Korridor des Golestanpalastes in Teheran verstecktes Fresko aus der Zeit um 1830 zeigt eine Oud spielende Kurtisane. Nach einer zaghaften Wiedereinführung in den 1960er Jahren erlebte das Instrument in den 2000er Jahren einen erneuten Popularitätsschub.

Heute werden überall im Nahen Osten und Nordafrika Ouds in unterschiedlichen Stilen gebaut, u.a. in Ägypten, Syrien, der Türkei, Irak, Iran und Marokko. Im Laufe der Zeit ist die Oud so universell geworden wie die Violine.

Übersetzung aus dem Englischen: Sylvia Zirden


Prof. Jean During ist emeritierter Research Fellow am Centre national de la recherche scientifique in Paris. In seiner Feldforschung beschäftigt er sich mit verschiedenen Musiktraditionen Zentralasiens und mit Sufi-Ritualen. Er ist Autor von zwölf Büchern über diese musikalischen Kulturen und von zahlreichen Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften und Enzyklopädien. 2016 wurde er für seinen Beitrag zur Erforschung arabischer Musik mit dem Ziryab Prize des tunesischen Ministeriums für Kultur ausgezeichnet. 

 

Die „Journey of Instruments“-Konzerte werden als Koproduktion von Pierre Boulez Saal und rbb in Zusammenarbeit mit ARTE Concert aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.

Die Küsntler:innen


Elizabeth Kenny
Laute und Theorbe

Elizabeth Kenny zählt seit mehr als zwei Jahrzehnten zu Europas führenden Lautenistinnen. Sie stand mit vielen der bedeutendsten Künstler:innen der Alten Musik auf der Bühne und legte zahlreiche Einspielungen von Werken für Laute und Theorbe vor. Von 1992 bis 2007 war sie Mitglied in William Christies Les Arts Florissants, von 1997 bis 2015 spielte sie im Orchestra of the Age of Enlightenment. Sie arbeitet u.a. regelmäßig mit den Sängern Ian Bostridge, Robin Blaze und Nicholas Mulroy zusammen. Neben der Musik der Renaissance und des Barock widmet sie sich auch zeitgenössischen Werken; so brachte sie Stücke von James MacMillan, Heiner Goebbels, Benjamin Oliver, Nico Muhly und Rachel Stott zur Uraufführung. 2007 gründete Elizabeth Kenny das Ensemble Theatre of the Ayre, das innovative Programme mit Vokal- und Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts gestaltet. Sie leitete den Fachbereich Alte Musik an der Universität von Southampton, unterrichtete an der Berliner Universität der Künste und ist seit 1999 Professorin für Laute und Theorbe der Royal Academy of Music in London.

Mai 2026


Laurence Dreyfus
Diskantgambe und musikalische Leitung

Laurence Dreyfus wurde in Boston als Sohn einer Musikerfamilie geboren und lernte als Kind Violoncello und Klavier. Später studierte er Cello bei Leonard Rose an der Juilliard School in New York, anschließend promovierte er in Musikwissenschaft beim deutschen Bach-Forscher Christoph Wolff an der dortigen Columbia University. Parallel dazu brachte er sich autodidaktisch des Spiel auf der Viola da gamba bei, bevor er schließlich bei Wieland Kuijken am Königlichen Konservatorium in Brüssel sein Konzertdiplom erhielt. Seine Doppellaufbahn als Musiker und Musikologe führte ihn um die ganze Welt. Als Wissenschaftler arbeitete er an den Universitäten in Stanford, Yale, Chicago, am King’s College in London und zuletzt in Oxford, wo das von ihm gegründete Ensemble Phantasm von 2005 bis 2015 Consort in Residence war. 2002 wurde er in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste als Fellow in die British Academy aufgenommen. Zusammen mit führenden Interpret:innen für Alte Musik gab er weltweit Konzerte und legte zahlreiche Einspielungen vor. Seit 2015 lebt Laurence Dreyfus in Berlin.

Mai 2026


Phantasm

Phantasm wurde 1994 von Laurence Dreyfus gegründet und gilt als das führende Gambenconsort der Gegenwart. Der internationale Durchbruch gelang den fünf Musiker:innen, als ihr Debütalbum mit Werken von Henry Purcell 1997 mit einem Gramophone Award für die beste Einspielung barocker Instrumentalmusik ausgezeichnet wurde. Weitere Gramophone Awards folgten für Aufnahmen der Gambenkonzerte von Orlando Gibbons und von John Dowlands Lachrimae. Phantasm gastiert an bedeutenden Konzertsälen und bei wichtigen Festivals für Alte Musik weltweit, darunter die trigonale in Österreich, das Heinrich Schütz Musikfest in Dresden, das Barcelona Early Music Festival, das Bergen International Festival, das Stockholm Early Music Festival und die Londoner Wigmore Hall. Dabei bildet die Musik der englischen Renaissance und des Barock einen Repertoireschwerpunkt, außerdem widmen sich das Quintett aber auch französischer und italienischer Musik und den Werken Johann Sebastian Bachs. Seit 2015 ist Phantasm in Berlin beheimatet, zuvor war es zehn Jahre lang Consort in Residence an der Universität Oxford und am dortigen Magdalen College. Seit 2025 gestalten die fünf Musiker:innen eine eigene Konzertreihe an der Berliner St.-Elisabeth-Kirche. Im Pierre Boulez Saal war das Ensemble u.a. 2023 in der interdisziplinären Produktion The Art of Being Human zu erleben.

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