Susan Zarrabi Mezzosopran
Sascha Zarrabi Tenor
Gerold Huber Klavier

Lieder und Duette von
Wolfgang Amadeus Mozart
Joseph und Michael Haydn
Fanny Hensel und Felix Mendelssohn
Lili und Nadia Boulanger
Robert Schumann
Hugo Wolf
Pjotr Tschaikowsky
Kurt Weill
George Gershwin

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
An die Freude KV 53 (Uz)
Die betrogene Welt KV 474 (Weiße)
Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte KV 520 (Baumberg)


Joseph Haydn (1732–1809)
Ein kleines Haus Hob. XXVIa:45
The Mermaid’s Song Hob. XXVIa:25 (Hunter)


Michael Haydn (1737–1806)
Mein Vergnügen (Sauter)
Die Seligkeit der Liebe (Herrosee)


Fanny Hensel (geb. Mendelssohn) (1805–1847)
Suleika und Hatem (Goethe)
(Veröffentlicht in Felix Mendelssohns op. 8)

Sehnsucht (Droysen)
Die Nonne (Uhland) 
(Veröffentlicht in Felix Mendelssohns op. 9)

Mutter, o sing mich zur Ruh (Freiligrath)
Warum sind denn die Rosen so blass op. 1 Nr. 3 (Heine)


Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Ich wollt, meine Lieb’ ergösse sich op. 63 Nr. 1 (Heine)
Abschiedslied der Zugvögel op. 63 Nr. 2 (Hoffmann von Fallersleben)
Herbstlied op. 63 Nr. 4 (Klingemann)


Pause


Robert Schumann (1810–1856)
Die feindlichen Brüder op. 49 Nr. 2 (Heine)


Hugo Wolf (1860–1903)
Selbstgeständnis (Mörike)


Lili Boulanger (1893–1918)
Attente (Maeterlinck)


Nadia Boulanger (1887–1979)
Le Couteau (Mauclair)


Pjotr Tschaikowsky (1840–1893)
Net, tolko tot, kto znal op. 6 Nr. 6 (Mey)


Kurt Weill (1900–1950)
Tchaikovsky (and Other Russians) (I. Gershwin)
aus Lady in the Dark


George Gershwin (1898–1937)
Blah Blah Blah (I. Gershwin)
By Strauss (I. Gershwin)

 

Wir bitten, die Liedgruppen nicht durch Applaus zu unterbrechen.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
An die Freude KV 53 (Uz)
Die betrogene Welt KV 474 (Weiße)
Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte KV 520 (Baumberg)


Joseph Haydn (1732–1809)
Ein kleines Haus Hob. XXVIa:45
The Mermaid’s Song Hob. XXVIa:25 (Hunter)


Michael Haydn (1737–1806)
Mein Vergnügen (Sauter)
Die Seligkeit der Liebe (Herrosee)


Fanny Hensel (geb. Mendelssohn) (1805–1847)
Suleika und Hatem (Goethe)
(Veröffentlicht in Felix Mendelssohns op. 8)

Sehnsucht (Droysen)
Die Nonne (Uhland) 
(Veröffentlicht in Felix Mendelssohns op. 9)

Mutter, o sing mich zur Ruh (Freiligrath)
Warum sind denn die Rosen so blass op. 1 Nr. 3 (Heine)


Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Ich wollt, meine Lieb’ ergösse sich op. 63 Nr. 1 (Heine)
Abschiedslied der Zugvögel op. 63 Nr. 2 (Hoffmann von Fallersleben)
Herbstlied op. 63 Nr. 4 (Klingemann)


Pause


Robert Schumann (1810–1856)
Die feindlichen Brüder op. 49 Nr. 2 (Heine)


Hugo Wolf (1860–1903)
Selbstgeständnis (Mörike)


Lili Boulanger (1893–1918)
Attente (Maeterlinck)


Nadia Boulanger (1887–1979)
Le Couteau (Mauclair)


Pjotr Tschaikowsky (1840–1893)
Net, tolko tot, kto znal op. 6 Nr. 6 (Mey)


Kurt Weill (1900–1950)
Tchaikovsky (and Other Russians) (I. Gershwin)
aus Lady in the Dark


George Gershwin (1898–1937)
Blah Blah Blah (I. Gershwin)
By Strauss (I. Gershwin)

 

Wir bitten, die Liedgruppen nicht durch Applaus zu unterbrechen.

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Emily Sargent, The Brook (Purtud)

Susan und Sascha Zarrabi musizieren schon seit ihrer Kindheit zusammen und tauschen sich bis heute über ihren Beruf aus. Da lag die Idee, erstmals gemeinsam einen Liederabend zu bestreiten, auf der Hand: Mit Gerold Huber am Klavier widmen sie sich in Liedern und Texten der komplexen Dynamik des Geschwisterdaseins.

Essay von Meike Pfister

Geschwisterliederleben
Zum Programm von Susan und Sascha Zarrabi

Meike Pfister


„Es gibt viele hässliche Dinge auf Erden, dachte die Konsulin Buddenbrook, geborene Kröger. Auch Brüder können sich hassen und verachten; das kommt vor, so schauerlich es klingt.“ So heißt es in Thomas Manns Buddenbrooks. „Aber man spricht nicht davon. Man vertuscht es. Man braucht nichts davon zu wissen.“

Heute Abend wird davon gesprochen – auf offener Bühne, schauerlich und schonungslos. Das Programm, das Susan und Sascha Zarrabi gemeinsam mit Gerold Huber zusammengestellt haben, widmet sich in Liedern und Texten der komplexen Dynamik des Geschwisterdaseins. Doch statt brüderlicher Animosität stehen vor allem solche Beziehungen im Vordergrund, die von Freude und gegenseitiger künstlerischer Bereicherung geprägt sind. Die ausgewählten Lieder stammen entweder von Komponist:innen, deren Brüder und Schwestern produktiv auf ihre Werke einwirkten, oder sie greifen die Thematik in den zugrundeliegenden Liedtexten auf.

Die Zarrabis gehören ganz offensichtlich zu jener Art von Geschwistern, die sich gegenseitig wertschätzen und inspirieren. Der inhaltliche Schwerpunkt ihres Programms habe sich wie von selbst ergeben, erläutern die beiden die Entstehung. Und die Idee, erstmals gemeinsam einen Liederabend zu bestreiten, lag auf der Hand: „Wir tauschen uns ohnehin viel über Musik und den Beruf aus. Und gemeinsam musiziert haben wir schon seit unserer Kindheit – nicht nur Lieder, sondern auch im Klaviertrio mit unserer Schwester Sara.“  


Gemeinsame Wurzeln
Mozart – Haydn – Mendelssohn

In diesem Sinne beginnt das Konzert mit einem durch und durch heiteren Auftakt: Wolfgang Amadeus Mozarts erstem erhaltenen Lied An die Freude aus dem Jahr 1768, das Sascha Zarrabi als Duett bearbeitet hat. Wären die Lieder von Wolfgangs Schwester Maria Anna, genannt Nannerl, erhalten geblieben, hätten sie sicherlich einen Platz im Programm gefunden. Fest steht, dass es diese Lieder gab und dass Wolfgang sie schätzte („Das Lied hast du sehr schön gemacht“), wie aus dem umfangreichen Briefwechsel der beiden Geschwister hervorgeht. Lediglich die gesellschaftlichen Umstände hinderten Nannerl daran, selbst als Komponistin zu reüssieren, genoss sie doch zumindest in jungen Jahren dieselbe Ausbildung wie ihr Bruder und fiel schon früh als hochbegabte Pianistin auf. Ihr musikalischer Rat sollte vor allem in pianistischen Dingen lebenslang maßgeblich für Wolfgang bleiben.

Anders als An die Freude (auf einen Text des Dichters Johann Peter Uz, der nichts mit Schillers berühmter Ode zu tun hat) weisen die beiden nach 1784 in Wien entstandenen Lieder Die betrogene Welt und Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte einen eigenständigen, von der Gesangsstimme unabhängigen Klaviersatz auf. Als Luise lässt zudem die Form des Strophenlieds hinter sich und gleicht in seiner musikalischen Textausdeutung – etwa den schmachtenden chromatischen Linien oder den scharf punktierten Rhythmen, die den aufgebrachten Gefühlszustand der Protagonistin widerspiegeln – eher einer kleinen dramatischen Szene, die bereits das 19. Jahrhundert vorausahnen lässt. Dass es sich auch bei diesem Lied trotz aller Kunstgriffe um ein Gelegenheitswerk handelt, wird allein dadurch ersichtlich, dass Mozart gestattete, es innerhalb einer Sammlung von sechs Liedern unter dem Namen eines Freundes zu veröffentlichen.

Gelegenheitskompositionen sind auch die Lieder Michael Haydns, der vor allem für seine geistlichen Chorwerke bekannt war. Auf der Suche nach den Noten seiner wenigen erhaltenen weltlichen Lieder fuhr Sascha Zarrabi eigens ins Archiv nach Salzburg, die langjährige Wirkungsstätte des Komponisten. Stärker als bei seinem fünf Jahre älteren Bruder Joseph ist in Michael Haydns Liedern noch das Barockzeitalter spürbar. Dass sich die beiden über solche ästhetischen Fragen austauschten, ist nicht belegt. Nur spärlich, wenngleich wertschätzend war der Kontakt zwischen dem fürsterzbischöflichen Hofmusikus und seinem experimentierfreudigen, weltoffeneren Bruder.

Ganz anders gestaltete sich das Verhältnis zwischen Fanny und Felix Mendelssohn, den ältesten von vier Geschwistern. In ihren Liedern ist die persönliche Nähe deutlich spürbar, sagt Susan Zarrabi: „Die Wurzel ist eindeutig dieselbe – man hört den gemeinsamen Ursprung.“ Zahlreiche Briefe und Berichte bezeugen, wie hoch der berühmte Bruder seine Schwester schätzte, wie unverzichtbar sie sowohl in künstlerischen als auch in persönlichen Fragen für ihn war. „Ihr legt er alle Arbeiten vor und streicht unbarmherzig, was sie verwirft“, berichtete die Mutter aus der Jugendzeit der beiden. Gleichermaßen wird aber auch die Ungerechtigkeit deutlich, die Fanny aufgrund ihres Geschlechts ganz selbstverständlich hinzunehmen hatte. Es war ihr untersagt, ihre Kompositionen zu veröffentlichen – zumindest unter dem eigenen Namen. Suleika und Hatem und ein weiteres Lied nach einem Gedicht von Grillparzer erschienen deshalb als Teil von Felix’ Sammlung op. 8. Dass es dem Bruder nicht darum ging, fremde Lorbeeren zu ernten, macht ein Brief an Fanny aus dem Jahr 1830 deutlich: „Gestern lobte mich eine gnädige Gräfin wegen meiner Lieder und meinte frageweise, ob nicht das von Grillparzer ganz entzückend sei? Ja, sagte ich, und sie hielt mich schon für unbescheiden, als ich alles erklärte, Dich als Verfasserin nannte und versprach, die Kompositionen, die du mir nächstens schicken würdest, in Gesellschaften gleich mitzutheilen.“ Erst 1846, ein Jahr vor ihrem frühen Tod, sollte sich Fanny entschließen, die Konventionen und auch die Vorbehalte ihres Bruders zu überwinden und eine Gruppe von sechs Liedern als ihr Opus 1 zu veröffentlichen. Zu diesen gehört auch die Heine-Vertonung Warum sind denn die Rosen so blass.

Gebrauchsmusik im besten Sinn sind Felix Mendelssohns Duette op. 63 – scheint es doch, als hätte sie der Komponist seinen Interpret:innen direkt in die Kehle und dem Publikum direkt ins Herz geschrieben. Resonanz von außen zu erhalten, diese sogar beim Komponieren unmittelbar mitzudenken, war für Felix selbstverständlich. Fanny entbehrte dieses wesentlichen Stimulus’ und klagte: „Man verliert am Ende selbst mit der Lust an solchen Sachen das Urteil darüber, wenn sich nie ein fremdes Urteil, ein fremdes Wohlwollen entgegenstellt.“ Andererseits genoss sie dadurch aber auch größere kompositorische Freiheit: Zeitlich wie stilistisch stand sie sehr viel weniger unter Druck als ihr vielbeschäftigter Bruder und vermochte unbehelligt ihre ureigene musikalische Sprache zu erforschen.


Rivalität und Einklang
Schumann – Wolf – Boulanger

Weg von der einträchtigen Terzenseligkeit der Duette wendet sich der Tonfall in der zweiten Konzerthälfte hin zu konfliktreicherem Geschehen – sowohl musikalisch wie auch inhaltlich. „Der zweite Teil steht für uns unter der Überschrift ,Wenn aus Rivalität Feindschaft wird‘“, sagt Susan Zarrabi. „Das ist aber nur der Anstoß zu Beginn. Letztendlich mündet das Programm in wirkliche Zuneigung und sogar in künstlerische Symbiose.“

Tatsächlich erreicht der Abend mit Robert Schumanns Ballade Die feindlichen Brüder seinen zwischenmenschlichen Tiefpunkt – beide Protagonisten sterben am Schluss durch das Schwert des anderen. „Gräfin Lauras Augenfunken / Zündeten den Brüderstreit; / Beide glühen liebestrunken / Für die adlig holde Maid“, hören wir in der dritten Strophe von Heines Gedicht über den Ursprung der Fehde. Auch musikalisch werden an dieser Stelle die offenbar unwiderstehliche Frauengestalt und die hoffnungslos erweichten Herzen der beiden Brüder greifbar, indem Schumann die martialisch punktierten Staccato-Rhythmen kurzzeitig in sanftes Legato verwandelt. Die musikalische Substanz – unermüdlich auf- und absteigende Tonleitern – bleibt allerdings auch in der dritten Strophe dieselbe, als wollte der Komponist zum Ausdruck bringen, wie untrennbar Liebe und Verhängnis miteinander verwoben sind.

Womöglich wäre vor diesem Hintergrund das Leben als Einzelkind doch vorzuziehen. In Hugo Wolfs ironischem Selbstgeständnis, dem vorletzten seiner insgesamt 53 Mörike-Lieder aus dem Jahr 1888, treten jedoch auch die angeblichen Schattenseiten dieses Daseins hervor: zu viel Liebe, zu wenig Schläge. „Ich hab müssen die Liebe, die Treue, die Güte / Für ein ganz halb Dutzend allein aufessen“, klagt das lyrische Ich.

Wolf selbst pflegte eine ausgesprochen innige Beziehung zu seiner Mutter, wohingegen das Verhältnis zu seinen Geschwistern immer wieder Spannungen unterlag. Das ohnehin empfindliche Selbstbewusstsein des neurotischen Komponisten, der Zeit seines Lebens nur als Meister der „kleinen Gattung“ akzeptiert werden sollte, war vor allem von seinem Bruder Gilbert leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. „Derselbe trug, als ich mich ans Klavier setzte, eine so impertinent blasirte Miene zur Schau, als ob er damit sagen wollte, na, das wird jetzt eine nette Unterhaltung werden. […] Ich war tief verstimmt“, schrieb Wolf 1897 an seine Mutter.

Nadia und Lili Boulanger schienen von derartigen Sticheleien nur wenig zu wissen. Obwohl beide ambitionierte Komponistinnen waren, wurde ihr Verhältnis nie durch Konkurrenzdenken oder Neid belastet. Zwar galt die jüngere Lili als die genial Begabte, doch blieb ihr aufgrund ihrer labilen Gesundheit vieles verwehrt, was Nadia selbstverständlich zuteil wurde, etwa ein reguläres Studium am Pariser Konservatorium. Dennoch war es Lili, die 1913 als erste Komponistin den renommierten Prix de Rome gewann (Nadia hatte fünf Jahre zuvor den zweiten Platz belegt). Als Lili mit nur 24 Jahren ihrem chronischen Lungenleiden erlag, gab auch die Schwester – die sich später als Kompositionslehrerin einen legendären Ruf erwarb – schlagartig das Komponieren auf: „Ich habe kein Talent“, behauptete sie. „Meine Schwester Lili, das war die Komponistin. Sie war schon eine bedeutende Komponistin, als sie mit 24 starb. Sie brachte mich zum Unterrichten.“


Brüderliche Vertrautheit
Tschaikowsky – Gershwin

„Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide“. Pjotr und sein Bruder Modest Tschaikowsky kannten beide dieselbe Sehnsucht – eine Sehnsucht, die sie einerseits quälte, die sie aber auch eng miteinander verband. Schon früh vertrauten sie sich gegenseitig ihre Homosexualität an, und der ältere Pjotr ermahnte den Jüngeren zu Zurückhaltung und Vorsicht, wie sie im zaristischen Russland des 19. Jahrhunderts alternativlos war. Ähnlich wie bei George und Ira Gershwin entwickelte sich aus der menschlichen Vertrautheit im Laufe der Zeit aber auch eine äußerst produktive künstlerische Zusammenarbeit: Der vor allem als Dramenautor bekannte Modest Tschaikowsky schrieb die Textbücher für die Opern Iolanta und Pique Dame seines gefeierten Bruders.

Völlig gegensätzlich veranlagt, aber gerade deshalb die ideale Ergänzung des jeweils anderen waren die Brüder Gershwin. „Morgen habe ich einen anstrengenden Tag vor mir. Ich muß das Farbband meiner Schreibmaschine auswechseln“, war eine wohl typische Aussage des Schriftstellers Ira, der am liebsten zu Hause blieb, sich in Büchern vergrub und stundenlang an einzelnen Silben seiner Texte feilte. George hingegen stürzte sich seit jeher ungestüm ins Leben und profitierte bereits zu Schulzeiten von der Wortgewandtheit seines Bruders, dem Musterschüler, der ihn im Notfall mit feinem Gespür beim Rektor aus der Schlinge zog.

Die richtigen Worte fand Ira aber vor allem dann, wenn es darum ging, die Songs seines Bruders mit den entsprechenden Texten zu versehen. Literarisch weitreichend gebildet, schöpfte er dafür ebenso aus Werbesprache, Alltagsjargon oder Jugendslang und brachte es fertig, die Worte vollständig in der Musik aufgehen zu lassen. Eigentlich gar nicht so schwer, wie er selbst erklärte: „Wenn man Musik liebt, ein Gefühl für Reime hat, einen Sinn für Witz und Humor, ein Auge für gelungene Sätze, ein Ohr für die neuesten Redewendungen und die Fähigkeit, sich in einen Interpreten hineinzuversetzen, der versucht, die Nummer, an der man gerade arbeitet, rüberzubringen – wenn all das gegeben ist, dann braucht man, glaube ich, vier oder fünf Jahre Arbeitserfahrung mit anerkannten Komponisten, um ein guter Textdichter zu werden.“

Nach Georges Tod im Alter von 38 Jahren arbeitete Ira zwar auch mit anderen Komponisten, darunter Kurt Weill, erfolgreich zusammen. Ob sich aber das dichterische Genie ohne die geschwisterliche Beziehung jemals so vollkommen entfaltet hätte, bleibt eine offene Frage.

 

Meike Pfister lebt als Pianistin, Musikwissenschaftlerin und Moderatorin in Berlin und ist hauptsächlich an der Universität der Künste und der Philharmonie Berlin sowie an der Elbphilharmonie in Hamburg tätig. 

Geschwisterliederleben
Zum Programm von Susan und Sascha Zarrabi

Meike Pfister


„Es gibt viele hässliche Dinge auf Erden, dachte die Konsulin Buddenbrook, geborene Kröger. Auch Brüder können sich hassen und verachten; das kommt vor, so schauerlich es klingt.“ So heißt es in Thomas Manns Buddenbrooks. „Aber man spricht nicht davon. Man vertuscht es. Man braucht nichts davon zu wissen.“

Heute Abend wird davon gesprochen – auf offener Bühne, schauerlich und schonungslos. Das Programm, das Susan und Sascha Zarrabi gemeinsam mit Gerold Huber zusammengestellt haben, widmet sich in Liedern und Texten der komplexen Dynamik des Geschwisterdaseins. Doch statt brüderlicher Animosität stehen vor allem solche Beziehungen im Vordergrund, die von Freude und gegenseitiger künstlerischer Bereicherung geprägt sind. Die ausgewählten Lieder stammen entweder von Komponist:innen, deren Brüder und Schwestern produktiv auf ihre Werke einwirkten, oder sie greifen die Thematik in den zugrundeliegenden Liedtexten auf.

Die Zarrabis gehören ganz offensichtlich zu jener Art von Geschwistern, die sich gegenseitig wertschätzen und inspirieren. Der inhaltliche Schwerpunkt ihres Programms habe sich wie von selbst ergeben, erläutern die beiden die Entstehung. Und die Idee, erstmals gemeinsam einen Liederabend zu bestreiten, lag auf der Hand: „Wir tauschen uns ohnehin viel über Musik und den Beruf aus. Und gemeinsam musiziert haben wir schon seit unserer Kindheit – nicht nur Lieder, sondern auch im Klaviertrio mit unserer Schwester Sara.“  


Gemeinsame Wurzeln
Mozart – Haydn – Mendelssohn

In diesem Sinne beginnt das Konzert mit einem durch und durch heiteren Auftakt: Wolfgang Amadeus Mozarts erstem erhaltenen Lied An die Freude aus dem Jahr 1768, das Sascha Zarrabi als Duett bearbeitet hat. Wären die Lieder von Wolfgangs Schwester Maria Anna, genannt Nannerl, erhalten geblieben, hätten sie sicherlich einen Platz im Programm gefunden. Fest steht, dass es diese Lieder gab und dass Wolfgang sie schätzte („Das Lied hast du sehr schön gemacht“), wie aus dem umfangreichen Briefwechsel der beiden Geschwister hervorgeht. Lediglich die gesellschaftlichen Umstände hinderten Nannerl daran, selbst als Komponistin zu reüssieren, genoss sie doch zumindest in jungen Jahren dieselbe Ausbildung wie ihr Bruder und fiel schon früh als hochbegabte Pianistin auf. Ihr musikalischer Rat sollte vor allem in pianistischen Dingen lebenslang maßgeblich für Wolfgang bleiben.

Anders als An die Freude (auf einen Text des Dichters Johann Peter Uz, der nichts mit Schillers berühmter Ode zu tun hat) weisen die beiden nach 1784 in Wien entstandenen Lieder Die betrogene Welt und Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte einen eigenständigen, von der Gesangsstimme unabhängigen Klaviersatz auf. Als Luise lässt zudem die Form des Strophenlieds hinter sich und gleicht in seiner musikalischen Textausdeutung – etwa den schmachtenden chromatischen Linien oder den scharf punktierten Rhythmen, die den aufgebrachten Gefühlszustand der Protagonistin widerspiegeln – eher einer kleinen dramatischen Szene, die bereits das 19. Jahrhundert vorausahnen lässt. Dass es sich auch bei diesem Lied trotz aller Kunstgriffe um ein Gelegenheitswerk handelt, wird allein dadurch ersichtlich, dass Mozart gestattete, es innerhalb einer Sammlung von sechs Liedern unter dem Namen eines Freundes zu veröffentlichen.

Gelegenheitskompositionen sind auch die Lieder Michael Haydns, der vor allem für seine geistlichen Chorwerke bekannt war. Auf der Suche nach den Noten seiner wenigen erhaltenen weltlichen Lieder fuhr Sascha Zarrabi eigens ins Archiv nach Salzburg, die langjährige Wirkungsstätte des Komponisten. Stärker als bei seinem fünf Jahre älteren Bruder Joseph ist in Michael Haydns Liedern noch das Barockzeitalter spürbar. Dass sich die beiden über solche ästhetischen Fragen austauschten, ist nicht belegt. Nur spärlich, wenngleich wertschätzend war der Kontakt zwischen dem fürsterzbischöflichen Hofmusikus und seinem experimentierfreudigen, weltoffeneren Bruder.

Ganz anders gestaltete sich das Verhältnis zwischen Fanny und Felix Mendelssohn, den ältesten von vier Geschwistern. In ihren Liedern ist die persönliche Nähe deutlich spürbar, sagt Susan Zarrabi: „Die Wurzel ist eindeutig dieselbe – man hört den gemeinsamen Ursprung.“ Zahlreiche Briefe und Berichte bezeugen, wie hoch der berühmte Bruder seine Schwester schätzte, wie unverzichtbar sie sowohl in künstlerischen als auch in persönlichen Fragen für ihn war. „Ihr legt er alle Arbeiten vor und streicht unbarmherzig, was sie verwirft“, berichtete die Mutter aus der Jugendzeit der beiden. Gleichermaßen wird aber auch die Ungerechtigkeit deutlich, die Fanny aufgrund ihres Geschlechts ganz selbstverständlich hinzunehmen hatte. Es war ihr untersagt, ihre Kompositionen zu veröffentlichen – zumindest unter dem eigenen Namen. Suleika und Hatem und ein weiteres Lied nach einem Gedicht von Grillparzer erschienen deshalb als Teil von Felix’ Sammlung op. 8. Dass es dem Bruder nicht darum ging, fremde Lorbeeren zu ernten, macht ein Brief an Fanny aus dem Jahr 1830 deutlich: „Gestern lobte mich eine gnädige Gräfin wegen meiner Lieder und meinte frageweise, ob nicht das von Grillparzer ganz entzückend sei? Ja, sagte ich, und sie hielt mich schon für unbescheiden, als ich alles erklärte, Dich als Verfasserin nannte und versprach, die Kompositionen, die du mir nächstens schicken würdest, in Gesellschaften gleich mitzutheilen.“ Erst 1846, ein Jahr vor ihrem frühen Tod, sollte sich Fanny entschließen, die Konventionen und auch die Vorbehalte ihres Bruders zu überwinden und eine Gruppe von sechs Liedern als ihr Opus 1 zu veröffentlichen. Zu diesen gehört auch die Heine-Vertonung Warum sind denn die Rosen so blass.

Gebrauchsmusik im besten Sinn sind Felix Mendelssohns Duette op. 63 – scheint es doch, als hätte sie der Komponist seinen Interpret:innen direkt in die Kehle und dem Publikum direkt ins Herz geschrieben. Resonanz von außen zu erhalten, diese sogar beim Komponieren unmittelbar mitzudenken, war für Felix selbstverständlich. Fanny entbehrte dieses wesentlichen Stimulus’ und klagte: „Man verliert am Ende selbst mit der Lust an solchen Sachen das Urteil darüber, wenn sich nie ein fremdes Urteil, ein fremdes Wohlwollen entgegenstellt.“ Andererseits genoss sie dadurch aber auch größere kompositorische Freiheit: Zeitlich wie stilistisch stand sie sehr viel weniger unter Druck als ihr vielbeschäftigter Bruder und vermochte unbehelligt ihre ureigene musikalische Sprache zu erforschen.


Rivalität und Einklang
Schumann – Wolf – Boulanger

Weg von der einträchtigen Terzenseligkeit der Duette wendet sich der Tonfall in der zweiten Konzerthälfte hin zu konfliktreicherem Geschehen – sowohl musikalisch wie auch inhaltlich. „Der zweite Teil steht für uns unter der Überschrift ,Wenn aus Rivalität Feindschaft wird‘“, sagt Susan Zarrabi. „Das ist aber nur der Anstoß zu Beginn. Letztendlich mündet das Programm in wirkliche Zuneigung und sogar in künstlerische Symbiose.“

Tatsächlich erreicht der Abend mit Robert Schumanns Ballade Die feindlichen Brüder seinen zwischenmenschlichen Tiefpunkt – beide Protagonisten sterben am Schluss durch das Schwert des anderen. „Gräfin Lauras Augenfunken / Zündeten den Brüderstreit; / Beide glühen liebestrunken / Für die adlig holde Maid“, hören wir in der dritten Strophe von Heines Gedicht über den Ursprung der Fehde. Auch musikalisch werden an dieser Stelle die offenbar unwiderstehliche Frauengestalt und die hoffnungslos erweichten Herzen der beiden Brüder greifbar, indem Schumann die martialisch punktierten Staccato-Rhythmen kurzzeitig in sanftes Legato verwandelt. Die musikalische Substanz – unermüdlich auf- und absteigende Tonleitern – bleibt allerdings auch in der dritten Strophe dieselbe, als wollte der Komponist zum Ausdruck bringen, wie untrennbar Liebe und Verhängnis miteinander verwoben sind.

Womöglich wäre vor diesem Hintergrund das Leben als Einzelkind doch vorzuziehen. In Hugo Wolfs ironischem Selbstgeständnis, dem vorletzten seiner insgesamt 53 Mörike-Lieder aus dem Jahr 1888, treten jedoch auch die angeblichen Schattenseiten dieses Daseins hervor: zu viel Liebe, zu wenig Schläge. „Ich hab müssen die Liebe, die Treue, die Güte / Für ein ganz halb Dutzend allein aufessen“, klagt das lyrische Ich.

Wolf selbst pflegte eine ausgesprochen innige Beziehung zu seiner Mutter, wohingegen das Verhältnis zu seinen Geschwistern immer wieder Spannungen unterlag. Das ohnehin empfindliche Selbstbewusstsein des neurotischen Komponisten, der Zeit seines Lebens nur als Meister der „kleinen Gattung“ akzeptiert werden sollte, war vor allem von seinem Bruder Gilbert leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. „Derselbe trug, als ich mich ans Klavier setzte, eine so impertinent blasirte Miene zur Schau, als ob er damit sagen wollte, na, das wird jetzt eine nette Unterhaltung werden. […] Ich war tief verstimmt“, schrieb Wolf 1897 an seine Mutter.

Nadia und Lili Boulanger schienen von derartigen Sticheleien nur wenig zu wissen. Obwohl beide ambitionierte Komponistinnen waren, wurde ihr Verhältnis nie durch Konkurrenzdenken oder Neid belastet. Zwar galt die jüngere Lili als die genial Begabte, doch blieb ihr aufgrund ihrer labilen Gesundheit vieles verwehrt, was Nadia selbstverständlich zuteil wurde, etwa ein reguläres Studium am Pariser Konservatorium. Dennoch war es Lili, die 1913 als erste Komponistin den renommierten Prix de Rome gewann (Nadia hatte fünf Jahre zuvor den zweiten Platz belegt). Als Lili mit nur 24 Jahren ihrem chronischen Lungenleiden erlag, gab auch die Schwester – die sich später als Kompositionslehrerin einen legendären Ruf erwarb – schlagartig das Komponieren auf: „Ich habe kein Talent“, behauptete sie. „Meine Schwester Lili, das war die Komponistin. Sie war schon eine bedeutende Komponistin, als sie mit 24 starb. Sie brachte mich zum Unterrichten.“


Brüderliche Vertrautheit
Tschaikowsky – Gershwin

„Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide“. Pjotr und sein Bruder Modest Tschaikowsky kannten beide dieselbe Sehnsucht – eine Sehnsucht, die sie einerseits quälte, die sie aber auch eng miteinander verband. Schon früh vertrauten sie sich gegenseitig ihre Homosexualität an, und der ältere Pjotr ermahnte den Jüngeren zu Zurückhaltung und Vorsicht, wie sie im zaristischen Russland des 19. Jahrhunderts alternativlos war. Ähnlich wie bei George und Ira Gershwin entwickelte sich aus der menschlichen Vertrautheit im Laufe der Zeit aber auch eine äußerst produktive künstlerische Zusammenarbeit: Der vor allem als Dramenautor bekannte Modest Tschaikowsky schrieb die Textbücher für die Opern Iolanta und Pique Dame seines gefeierten Bruders.

Völlig gegensätzlich veranlagt, aber gerade deshalb die ideale Ergänzung des jeweils anderen waren die Brüder Gershwin. „Morgen habe ich einen anstrengenden Tag vor mir. Ich muß das Farbband meiner Schreibmaschine auswechseln“, war eine wohl typische Aussage des Schriftstellers Ira, der am liebsten zu Hause blieb, sich in Büchern vergrub und stundenlang an einzelnen Silben seiner Texte feilte. George hingegen stürzte sich seit jeher ungestüm ins Leben und profitierte bereits zu Schulzeiten von der Wortgewandtheit seines Bruders, dem Musterschüler, der ihn im Notfall mit feinem Gespür beim Rektor aus der Schlinge zog.

Die richtigen Worte fand Ira aber vor allem dann, wenn es darum ging, die Songs seines Bruders mit den entsprechenden Texten zu versehen. Literarisch weitreichend gebildet, schöpfte er dafür ebenso aus Werbesprache, Alltagsjargon oder Jugendslang und brachte es fertig, die Worte vollständig in der Musik aufgehen zu lassen. Eigentlich gar nicht so schwer, wie er selbst erklärte: „Wenn man Musik liebt, ein Gefühl für Reime hat, einen Sinn für Witz und Humor, ein Auge für gelungene Sätze, ein Ohr für die neuesten Redewendungen und die Fähigkeit, sich in einen Interpreten hineinzuversetzen, der versucht, die Nummer, an der man gerade arbeitet, rüberzubringen – wenn all das gegeben ist, dann braucht man, glaube ich, vier oder fünf Jahre Arbeitserfahrung mit anerkannten Komponisten, um ein guter Textdichter zu werden.“

Nach Georges Tod im Alter von 38 Jahren arbeitete Ira zwar auch mit anderen Komponisten, darunter Kurt Weill, erfolgreich zusammen. Ob sich aber das dichterische Genie ohne die geschwisterliche Beziehung jemals so vollkommen entfaltet hätte, bleibt eine offene Frage.

 

Meike Pfister lebt als Pianistin, Musikwissenschaftlerin und Moderatorin in Berlin und ist hauptsächlich an der Universität der Künste und der Philharmonie Berlin sowie an der Elbphilharmonie in Hamburg tätig. 

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John Singer-Sargent, Zypressen auf Korfu (1909)

Family—it’s never less than complicated. Susan and Sascha Zarrabi are here to remind us of a host of sibling pairings who, like them, lay claim to a place in the music business. But it is only relatively recently that concert programs have rigorously specified both surname and first name in attributing compositions. With the best will in the world, where there are two musicians among brothers and sisters, one is almost certain to get left behind.

Program Note by Katy Hamilton

Siblings and Songs
Music from Mozart to Gershwin

Katy Hamilton


Family—it’s never less than complicated. Susan and Sascha Zarrabi are here to remind us of a host of sibling pairings who, like them, lay claim to a place in the music business. But it is only relatively recently that concert programs have rigorously specified both surname and first name in attributing compositions. With the best will in the world, where there are two musicians among brothers and sisters, one is almost certain to get left behind.


Two Prodigies 

Tonight’s concert opens with the two children of Leopold and Anna Maria Mozart. Five years before the arrival of Wolfgang Amadeus came Maria Anna, known as “Nannerl,” who was trained by her father and became a brilliant keyboard prodigy. Nannerl traveled with her parents and brother on a series of musical tours, and the children wowed in Vienna, Paris, and a host of German courts.

But when she turned 18, Nannerl was no longer permitted to perform in public: she was now of marriageable age, and the career that awaited Wolfgang was not open to her. Nevertheless, brother and sister remained close and teasing, and Wolfgang was enthusiastic and encouraging of Nannerl’s compositional projects. Leopold, however, was not. He never wrote about her compositions, and none of them survive. Wolfgang’s music must speak today for both of them.

An die Freude is Wolfgang’s first song, composed when he was twelve—not to Schiller’s famous text, but a gentle paean to “Joy, Queen of the Wise” by Johann Peter Uz, and arranged here by Sascha Zarrabi for two voices. Die betrogene Welt is a very different number, written in 1785 to a comic poem by Christian Felix Weiße. It is a cheeky, knowing song with a telling refrain: “The world likes to be betrayed, so let it be betrayed!” Two years later, Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte clearly demonstrates the musical distance traveled over the course of the Mozarts’ lives. This is an operatic scena in all but name, through-composed and highly dramatic as Luise exorcises the memory of her unfaithful lover.


Parallel Lives

The Haydn family is now principally remembered for the achievements of Franz Joseph, but among his eleven siblings there were two further professional musicians: Johann Evangelist and Johann Michael. Michael Haydn, five years younger than his more famous brother, made his living principally as a church musician and organist, working in Salzburg from 1763 where he was acquainted with the Mozarts. Although he and Joseph corresponded from time to time and met when circumstances allowed, he passed up the opportunity to join his brother as vice-kapellmeister for the Esterházy family.

Joseph’s Ein kleines Haus is a late and deeply touching miniature that paints the image of a life of quiet contentment, worthy of sharing with a dear friend (or sibling?). The Mermaid’s Song belongs to his many compositions for the British market, written in the mid-1790s. In this light, strophic song, the busy figuration of the keyboard does double duty for rolling waves and stormy winds.

Michael never enjoyed international fame, but he was much admired in Germany and Austria as a composer and teacher. He was also a keen amateur meteorologist and recorded three weather reports a day for 20 years of his time in Salzburg. Sascha Zarrabi explains that he and his sister chose two of Michael’s songs “because they showcase his compositional style.” But these rarely heard secular songs are difficult to track down: the Zarrabis perform Mein Vergnügen (c.1795–9) and Die Seligkeit der Liebe (1800) from manuscript copies.


Shared Roots

Most of us tend to assume that in dealing with historical siblings, the more famous party is also the eldest. But Fanny Mendelssohn Bartholdy was four years senior to Felix, and a prodigiously talented pianist with a compositional catalogue of more than 450 works. As an upper-class woman she was required to restrict her musical activities to the private sphere and only dared publish under her own name in 1846, a year before her death. The siblings were extremely close, corresponding regularly and providing feedback on each other’s projects. As Susan Zarrabi observes of their compositions, “The root is definitely the same.”

In 1827 and 1830, Felix published two volumes of songs that contained numbers by Fanny as well. She was not identified on the score, but Felix freely admitted that her contributions were among “the very best we possess of lieder.” Suleika und Hatem is a love song from afar, Goethe’s lovers sending messages to each other via the natural world. In Sehnsucht, the speaker is kept awake in the soft stillness of the night by the passion and desire in his heart. Uhland’s Die Nonne tells of a woman whose entire life is defined by sacrifice: a girl made a nun while evidently in love, whose lover has since died, and who is ultimately “freed” herself through her own death. Such feminine renunciation must surely have struck a chord with Fanny, watching her brother’s career grow as she was relegated to the sidelines.

Mutter, o sing mich zur Ruh is a much later song, from c.1843–4, setting a German translation of an English poem by the wildly popular Felicia Hemans. Fanny’s setting of Heinrich Heine’s famous Warum sind denn die Rosen so blass appeared as part of her own Opus 1, her name proudly on the cover, in 1846. Closing the program’s first half are three duets by Felix, published in 1844 but written over the previous eight years. Two voices tell us, in perfect alignment and harmony, Ich wollt, meine Lieb’ ergösse sich (“I wish my love would pour forth”) while the departure of birds at the end of the summer provides the perfect analogy for lost love in the lilting Abschiedslied der Zugvögel. Herbstlied was originally written as a solo piano piece to which the Mendelssohns’ friend Karl Klingemann carefully fashioned a text of seasons turning and a soul left yearning for the spring.


Legacies and Shadows

Not all siblings are fortunate enough to enjoy the (admittedly complicated) closeness of the Mendelssohns. Robert Schumann, the youngest of five, captures this vividly in Die feindlichen Brüder, a bleak and unending battle between two young men in love with the same woman. Meanwhile Hugo Wolf, the only musician among multiple brothers and sisters, provides us with a wry portrait of a coddled only child in his Mörike setting Selbstgeständnis.

The Boulanger sisters have gained much attention from musicians and audiences over the past decade or so. Born to musically highly trained French and Russian parents, Nadia was the elder child but Lili the prodigy, whose creative brilliance led to her becoming the first woman to win the coveted Prix de Rome from the Paris Conservatoire in 1913. But in 1918, following many years of poor health, she died. Her musical legacy is extraordinary (including the rapturous Maeterlinck setting Attente heard this evening) and was championed by Nadia, whose early years of composing were followed by many more of conducting, performing, and above all teaching. Le Couteau of 1922, one of her last songs, is about the pain of love—but could it be the love of a sister, rather than a paramour?

And then there is Pyotr Tchaikovsky, whose brother Modest (one of twins) became a playwright, author of the libretti for The Queen of Spades and Iolanta, and in time, Pyotr’s biographer. The two brothers—both gay—came to rely on each other as confidants, discussing life, love, and everything in between. Pyotr’s setting of a Russian translation of Goethe’s Nur wer die Sehnsucht kennt, a composition of touching beauty and deep longing, may be his best-known song.


Where Do We Go from Here?

Last but not least, tonight’s recital highlights two fruitful collaborative pairings of the 1930s and 1940s, united by the figure of Ira Gershwin. Elder sibling of George, it was for Ira that the Gershwins first acquired a piano around 1910. But it was George who threw himself energetically at the keyboard as soon as the instrument was swung in through their apartment window. Ira later recalled, with characteristic dry understatement, “Although our piano was purchased with my taking lessons in mind, it was decided George might prove the brighter pupil.”

Ira collaborated with German émigré Kurt Weill on several Broadway shows. The 1941 hit Lady in the Dark includes Tchaikovsky (and Other Russians), a number sung by a circus ringmaster in one of the dream sequences that the “Lady” of the title reports to her psychiatrist. It is a mad dash through a list of composers, so hang on tight!

Among the many songs the Gershwin brothers—who enjoyed a real “artistic symbiosis,” as Susan Zarrabi reminds us—wrote together is Blah Blah Blah. Used in the 1931 movie Delicious, it is a brilliant parody on every love song we have ever heard. The program ends with the irresistible By Strauss, a hymn to the Viennese waltz in which the brothers mock several Broadway composers—including, of course, a charming lyric from Ira writing off George’s music. Sibling love? There is nothing like it.

 

Katy Hamilton is a music historian and broadcaster, working with major concert venues, record labels, and festivals around the UK and Europe. She has published on 19th and 20th-century German and British music and appears regularly on BBC Radio. 

Siblings and Songs
Music from Mozart to Gershwin

Katy Hamilton


Family—it’s never less than complicated. Susan and Sascha Zarrabi are here to remind us of a host of sibling pairings who, like them, lay claim to a place in the music business. But it is only relatively recently that concert programs have rigorously specified both surname and first name in attributing compositions. With the best will in the world, where there are two musicians among brothers and sisters, one is almost certain to get left behind.


Two Prodigies 

Tonight’s concert opens with the two children of Leopold and Anna Maria Mozart. Five years before the arrival of Wolfgang Amadeus came Maria Anna, known as “Nannerl,” who was trained by her father and became a brilliant keyboard prodigy. Nannerl traveled with her parents and brother on a series of musical tours, and the children wowed in Vienna, Paris, and a host of German courts.

But when she turned 18, Nannerl was no longer permitted to perform in public: she was now of marriageable age, and the career that awaited Wolfgang was not open to her. Nevertheless, brother and sister remained close and teasing, and Wolfgang was enthusiastic and encouraging of Nannerl’s compositional projects. Leopold, however, was not. He never wrote about her compositions, and none of them survive. Wolfgang’s music must speak today for both of them.

An die Freude is Wolfgang’s first song, composed when he was twelve—not to Schiller’s famous text, but a gentle paean to “Joy, Queen of the Wise” by Johann Peter Uz, and arranged here by Sascha Zarrabi for two voices. Die betrogene Welt is a very different number, written in 1785 to a comic poem by Christian Felix Weiße. It is a cheeky, knowing song with a telling refrain: “The world likes to be betrayed, so let it be betrayed!” Two years later, Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte clearly demonstrates the musical distance traveled over the course of the Mozarts’ lives. This is an operatic scena in all but name, through-composed and highly dramatic as Luise exorcises the memory of her unfaithful lover.


Parallel Lives

The Haydn family is now principally remembered for the achievements of Franz Joseph, but among his eleven siblings there were two further professional musicians: Johann Evangelist and Johann Michael. Michael Haydn, five years younger than his more famous brother, made his living principally as a church musician and organist, working in Salzburg from 1763 where he was acquainted with the Mozarts. Although he and Joseph corresponded from time to time and met when circumstances allowed, he passed up the opportunity to join his brother as vice-kapellmeister for the Esterházy family.

Joseph’s Ein kleines Haus is a late and deeply touching miniature that paints the image of a life of quiet contentment, worthy of sharing with a dear friend (or sibling?). The Mermaid’s Song belongs to his many compositions for the British market, written in the mid-1790s. In this light, strophic song, the busy figuration of the keyboard does double duty for rolling waves and stormy winds.

Michael never enjoyed international fame, but he was much admired in Germany and Austria as a composer and teacher. He was also a keen amateur meteorologist and recorded three weather reports a day for 20 years of his time in Salzburg. Sascha Zarrabi explains that he and his sister chose two of Michael’s songs “because they showcase his compositional style.” But these rarely heard secular songs are difficult to track down: the Zarrabis perform Mein Vergnügen (c.1795–9) and Die Seligkeit der Liebe (1800) from manuscript copies.


Shared Roots

Most of us tend to assume that in dealing with historical siblings, the more famous party is also the eldest. But Fanny Mendelssohn Bartholdy was four years senior to Felix, and a prodigiously talented pianist with a compositional catalogue of more than 450 works. As an upper-class woman she was required to restrict her musical activities to the private sphere and only dared publish under her own name in 1846, a year before her death. The siblings were extremely close, corresponding regularly and providing feedback on each other’s projects. As Susan Zarrabi observes of their compositions, “The root is definitely the same.”

In 1827 and 1830, Felix published two volumes of songs that contained numbers by Fanny as well. She was not identified on the score, but Felix freely admitted that her contributions were among “the very best we possess of lieder.” Suleika und Hatem is a love song from afar, Goethe’s lovers sending messages to each other via the natural world. In Sehnsucht, the speaker is kept awake in the soft stillness of the night by the passion and desire in his heart. Uhland’s Die Nonne tells of a woman whose entire life is defined by sacrifice: a girl made a nun while evidently in love, whose lover has since died, and who is ultimately “freed” herself through her own death. Such feminine renunciation must surely have struck a chord with Fanny, watching her brother’s career grow as she was relegated to the sidelines.

Mutter, o sing mich zur Ruh is a much later song, from c.1843–4, setting a German translation of an English poem by the wildly popular Felicia Hemans. Fanny’s setting of Heinrich Heine’s famous Warum sind denn die Rosen so blass appeared as part of her own Opus 1, her name proudly on the cover, in 1846. Closing the program’s first half are three duets by Felix, published in 1844 but written over the previous eight years. Two voices tell us, in perfect alignment and harmony, Ich wollt, meine Lieb’ ergösse sich (“I wish my love would pour forth”) while the departure of birds at the end of the summer provides the perfect analogy for lost love in the lilting Abschiedslied der Zugvögel. Herbstlied was originally written as a solo piano piece to which the Mendelssohns’ friend Karl Klingemann carefully fashioned a text of seasons turning and a soul left yearning for the spring.


Legacies and Shadows

Not all siblings are fortunate enough to enjoy the (admittedly complicated) closeness of the Mendelssohns. Robert Schumann, the youngest of five, captures this vividly in Die feindlichen Brüder, a bleak and unending battle between two young men in love with the same woman. Meanwhile Hugo Wolf, the only musician among multiple brothers and sisters, provides us with a wry portrait of a coddled only child in his Mörike setting Selbstgeständnis.

The Boulanger sisters have gained much attention from musicians and audiences over the past decade or so. Born to musically highly trained French and Russian parents, Nadia was the elder child but Lili the prodigy, whose creative brilliance led to her becoming the first woman to win the coveted Prix de Rome from the Paris Conservatoire in 1913. But in 1918, following many years of poor health, she died. Her musical legacy is extraordinary (including the rapturous Maeterlinck setting Attente heard this evening) and was championed by Nadia, whose early years of composing were followed by many more of conducting, performing, and above all teaching. Le Couteau of 1922, one of her last songs, is about the pain of love—but could it be the love of a sister, rather than a paramour?

And then there is Pyotr Tchaikovsky, whose brother Modest (one of twins) became a playwright, author of the libretti for The Queen of Spades and Iolanta, and in time, Pyotr’s biographer. The two brothers—both gay—came to rely on each other as confidants, discussing life, love, and everything in between. Pyotr’s setting of a Russian translation of Goethe’s Nur wer die Sehnsucht kennt, a composition of touching beauty and deep longing, may be his best-known song.


Where Do We Go from Here?

Last but not least, tonight’s recital highlights two fruitful collaborative pairings of the 1930s and 1940s, united by the figure of Ira Gershwin. Elder sibling of George, it was for Ira that the Gershwins first acquired a piano around 1910. But it was George who threw himself energetically at the keyboard as soon as the instrument was swung in through their apartment window. Ira later recalled, with characteristic dry understatement, “Although our piano was purchased with my taking lessons in mind, it was decided George might prove the brighter pupil.”

Ira collaborated with German émigré Kurt Weill on several Broadway shows. The 1941 hit Lady in the Dark includes Tchaikovsky (and Other Russians), a number sung by a circus ringmaster in one of the dream sequences that the “Lady” of the title reports to her psychiatrist. It is a mad dash through a list of composers, so hang on tight!

Among the many songs the Gershwin brothers—who enjoyed a real “artistic symbiosis,” as Susan Zarrabi reminds us—wrote together is Blah Blah Blah. Used in the 1931 movie Delicious, it is a brilliant parody on every love song we have ever heard. The program ends with the irresistible By Strauss, a hymn to the Viennese waltz in which the brothers mock several Broadway composers—including, of course, a charming lyric from Ira writing off George’s music. Sibling love? There is nothing like it.

 

Katy Hamilton is a music historian and broadcaster, working with major concert venues, record labels, and festivals around the UK and Europe. She has published on 19th and 20th-century German and British music and appears regularly on BBC Radio. 

Die Künstler:innen


Susan Zarrabi
Mezzosopran

Susan Zarrabi wurde in München geboren und absolvierte ihr Gesangsstudium bei Daniela Sindram an der Hochschule für Musik und Theater in ihrer Heimatstadt. Seit 2022 ist sie Ensemblemitglied an der Komischen Oper in Berlin, wo sie als Dorabella, Cherubino, Hänsel, Varvara in Katja Kabanowa und Nefertiti in Philip Glass’ Akhnaten auf der Bühne stand. Zuletzt übernahm sie u.a. die Partien des Pagen in Salome, des Cyrus in Händels Belshazzar und der Sonietka in Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk; Ende dieses Monats ist sie als Suzuki in einer Neuproduktion von Madama Butterfly zu hören. Weitere Engagements führten sie an die Bayerische Staatsoper, die Semperoper Dresden, in die Elbphilharmonie in Hamburg, die Philharmonie Berlin und zu den Wiener Festwochen. Darüber hinaus hat sie sich insbesondere als Liedinterpretin einen Namen gemacht. Sie ist Preisträgerin der Wigmore Hall Song Competition 2022, war Stipendiatin der Liedakademie des Heidelberger Frühlings unter der Leitung von Thomas Hampson und trat u.a. beim Gustav Mahler Festival in Steinbach am Attersee und gemeinsam mit Hampson beim Mahler Forum für Musik und Gesellschaft in Klagenfurt auf. Im Pierre Boulez Saal war Susan Zarrabi u.a. mehrfach im Rahmen der Schubert-Woche zu hören und brachte im November 2023 zusammen mit dem Boulez Ensemble unter der Leitung von Oksana Lyniv Vladimir Genins Mono-Oper Alkestis zur Uraufführung. Vergangene Saison gestaltete sie hier mit Gerold Huber und der Schauspielerin Ulrike Folkerts den szenischen Liederabend Tatort Lied!.

Oktober 2026


Sascha Zarrabi
Tenor

Sascha Zarrabi ist seit der Spielzeit 2024/25 Ensemblemitglied des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, wo er aktuell u.a. in Orffs Carmina Burana, als Fatty der Prokurist in Weills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, als Spalanzani und Nathanaël in Les Contes d’Hoffmann sowie als Don Ottavio im spartenübergreifenden Projekt Ciao amore! zu erleben ist. Zuvor war der italienisch-iranische Tenor, der sein Gesangsstudium am Mozarteum Salzburg absolvierte, am Tiroler Landestheater Erl engagiert. Gastengagements führten ihn u.a. zu den Salzburger Festspielen, ans Prinzregententheater und die Philharmonie im Gasteig in München, die Staatsoper Hannover und das Konzerthaus Wien. Dabei arbeitete er u.a. mit Dirigenten wie Andrea Sanguineti, Daniele Gatti und Stefan Vladar sowie mit den Regisseur:innen Barbora Horáková, Julia Wissert, Gregor Bloéb und Thaddeus Strassberger zusammen.

Oktober 2026


Gerold Huber
Klavier

Der gebürtige Straubinger Gerold Huber studierte Klavier bei Friedemann Berger an der Münchner Hochschule für Musik und Theater und besuchte außerdem die Liedklasse von Dietrich Fischer-Dieskau in Berlin. Er ist regelmäßiger Gast bei der Schubertiade Schwarzenberg-Hohenems, den Salzburger Festspielen, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, den Münchner Opernfestspielen, den Schwetzinger SWR Festspielen und dem Rheingau Musik Festival. Außerdem trat er in der Kölner Philharmonie, der Alten Oper Frankfurt, im Konzerthaus und Musikverein Wien, dem Concertgebouw Amsterdam, der Londoner Wigmore Hall, im Lincoln Center und der Carnegie Hall in New York sowie in den Konzerthäusern in Essen, Dortmund und Baden-Baden auf. Bereits seit seiner Schulzeit bildet er ein festes Lied-Duo mit dem Bariton Christian Gerhaher; gemeinsam gewannen sie 1998 den Prix International Pro Musicis. Aus dieser engen künstlerischen Partnerschaft sind zahlreiche preisgekrönte Aufnahmen hervorgegangen, zuletzt u.a. eine Gesamteinspielung der Lieder Robert Schumanns und ein Album mit Liedern von Johannes Brahms. Darüber hinaus arbeitet Gerold Huber mit Künstler:innen wie Christiane Karg, Julia Kleiter, Christina Landshamer, Julian Prégardien, Günther Groissböck, Georg Zeppenfeld und Franz-Josef Selig zusammen. Solistisch widmet er sich vor allem Werken von Bach, Beethoven, Brahms und Schubert, außerdem gab er Konzerte als Kammermusikpartner des Artemis Quartetts und des Henschel Quartetts. Er gibt regelmäßig Meisterklassen, u.a. bei der Schubert-Woche im Pierre Boulez Saal, und ist Professor für Liedgestaltung an den Musikhochschulen in Würzburg und München.

Oktober 2026

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