
PIERRE BOULEZ SAAL
DIE SAISON 2026/27
2027 wird der Pierre Boulez Saal zehn Jahre alt – dann feiern wir ein Jahrzehnt musikalischen Dialog, neugieriges Zuhören und künstlerische Komplexität. Dass es diesen Saal gibt, ist dem Mut von Köpfen wie Daniel Barenboim, Pierre Boulez, Edward W. Said, Frank Gehry und Yasuhisa Toyota zu verdanken. Sie träumten von einem Ort, an dem die Arbeit der Musik gesellschaftliches Denken verändern und unser Verständnis vom vermeintlich Anderen bereichern kann. Ihre Ideale und die ihnen gemeinsame Fähigkeit, verschiedenen Wahrheiten gleichzeitig Raum zu geben, prägen unser Denken.
In diesem Geist ist eine erstaunliche Gemeinschaft von musikalischen Freundinnen und Weggefährten entstanden, die jedes Jahr ein bisschen größer wird. Offenheit ist das Fundament dieser Familie von Komponistinnen, Interpreten, Zuhörer:innen und Kreativen, die über Genregrenzen hinweg musikalische Exzellenz lebt und wertschätzt, ohne dabei bestehende Kategorien zu leugnen oder sich ihnen entgegenzustellen. Es ist gerade die Vielfalt der unterschiedlichen Strömungen, die sich mal verbinden, mal eigene Wege nehmen, die Schönheit schafft.
In unserer Jubiläumssaison feiern wir die Pierre Boulez Saal-Familie und ein Jahrzehnt auf der Suche nach dem Klang der Utopie. Unser Medium ist die Musik, deshalb tun wir dies mit Konzerten und Programmen, die Fäden aufgreifen, an denen wir seit unserer Gründung spinnen, und mit solchen verknüpfen, die uns in die Zukunft führen. Wir freuen uns, wenn wir weiterhin dazu beitragen können, Berlin und die Welt zu einem besseren, lichteren Ort zu machen, und laden Sie ein, uns auf diesem Weg zu begleiten.
PERSPEKTIVEN
EIN INTIMER RAHMEN
Mit seiner einzigartigen Architektur und außergewöhnlichen Akustik bietet der Pierre Boulez Saal einen idealen Ort, um Kammermusik im intimen Format zu erleben. Der elliptische Raum mit der Bühne im Zentrum hebt die Trennung zwischen Musiker:innen und Publikum auf und schafft eine unmittelbare Gemeinschaft. Egal ob Sie eine Solo-Oud, eine Violine mit Live-Elektronik oder ein traditionelles Klaviertrio hören – Sie erleben die Musik aus nächster Nähe.
LIEDER NEU HÖREN
Liederabende sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Im Gegenteil: In den Händen von kreativen Künstler:innen wird der altbekannte Dialog von Stimme und Instrument zu einem der vielseitigsten und innovativsten Formate, um mit Musik nicht nur fesselnde Geschichten zu erzählen, sondern auch unsere eigene Gegenwart künstlerisch zu befragen und zu reflektieren.
„Warum machen wir Musik? Die Antwort lautet: um ganz ins Innere zu gehen und dieses wunderbare Leben zu feiern. Jeder Klang ist eine Inspiration, jedes Lied ein Gebet.“ William Parker
MOMENTAUFNAHMEN
Von Beginn an war der Pierre Boulez Saal ein Ort für improvisierte Musik unterschiedlichster Traditionen. Vom Jazz über Zeitgenössisch-Experimentelles bis hin zu Maqamat-basierter Musik der arabischen Welt bietet die Saison 2026/27 einmal mehr eine große Auswahl an Programmen, in denen spontane und intuitive Schöpfung im Mittelpunkt steht.
ERWARTET UNERWARTET
Ein intimer Duoabend für zwei Bratschen. Ein Werk, das von den Regenwäldern auf den Philippinen inspiriert ist. Ein Konzert, das Live-Elektronik mit Musik für Sologambe aus dem 17. Jahrhundert kombiniert. Das alles ist Teil der Saison 2026/27 im Pierre Boulez Saal. Denn nur wenn wir unsere Erwartungen in Frage stellen, erweitern wir unseren Horizont. Entdecken Sie mit uns Musik, die Sie bis jetzt vielleicht noch nie gehört haben.
PIANIST:INNEN IM DIALOG
Ein Klavier-Soloabend zählt zu den spannendsten musikalischen Formaten überhaupt. Doch in dieser Saison präsentieren einige der bedeutendsten Pianist:innen unserer Zeit gemeinsam mit namhaften Kolleg:innen faszinierende Kammermusikwerke – darunter Vierhändiges, Kompositionen für Vokalensemble und Improvisation.
„Die labyrinthischen Möglichkeiten des Raums, in dem die Sängerin herumirren kann, haben das Stück erst ermöglicht.“ Jörg Widmann über die Komposition von Labyrinth IV für den Pierre Boulez Saal
DAS BOULEZ ENSEMBLE
Wie der Pierre Boulez Saal steht auch das Boulez Ensemble für Flexibilität und programmatische Offenheit – seit inzwischen zehn Jahren. Unter der Leitung von Daniel Barenboim und renommierten Gastdirigenten präsentiert das Ensemble Werke des 18. bis 21. Jahrhunderts vom Duo bis zur großen Ensemblekomposition und bietet so einen spannungsreichen musikalischen Austausch zwischen Gegenwart und Vergangenheit im Geiste seines Namensgebers.
„Der Pierre Boulez Saal steht für Inspiration, Herzlichkeit und freies Denken. Leitidee des Programms ist es, die Entwicklung der Musikgeschichte abzubilden. Die verschiedenen Repertoirekombinationen schaffen Querverbindungen, weil wir ein Stück von Schumann genauso behandeln wie eine Uraufführung. Das ist ein wesentliches Element des Selbstverständnisses hier und der Arbeit mit den Musiker:innen des Boulez Ensembles.“ Matthias Pintscher
Künstlerische Konstellationen
Verbindungslinien durch die Saison
Jeder Punkt steht für eine:n Musiker:in, jede Linie für ein gemeinsames Konzert
Entdecken Sie die Saison 2026/27 und alle anderen seit 2017
Jeder Punkt steht für eine:n Künstler:in, und jede Linie zwischen zwei Punkten bedeutet, dass diese beiden Personen gemeinsam ein Konzert gegeben haben. Sie haben verschiedene Möglichkeiten, sich auf der Karte zu bewegen:
Klicken Sie einen beliebigen Punkt, um diese:n Künstler:in zu sehen und alle anderen, mit denen er/sie aufgetreten ist. Klicken Sie auf den Hintergrund, um zum Sternenhimmel zurückzukehren.
Ziehen Sie einen Punkt hin und her. Das dazugehörige Sternbild bewegt sich und verändert seine Form.
Vergrößern Sie die Ansicht, um die Namen zu lesen (durch scrollen, Bewegung mit zwei Fingern oder mit Hilfe Ihres Trackpads). Ziehen Sie den Hintergrund, um sich auf der Karte zu bewegen.
Auf der Suche nach einem bestimmten Namen? Geben Sie ihn ins Suchfeld ein und drücken Sie die Eingabetaste – die Karte bewegt sich zu dieser Person.
Wechseln Sie zwischen den Spielzeiten mit der Jahresanzeige am unteren Rand. Jede Saison ist ihre eigene Sternbildkarte. Wählen Sie „alle vergangenen“, um alle Künstler:innen zu sehen, die seit 2017 im Pierre Boulez Saal aufgetreten sind.
„Offenheit ist das Fundament dieser Familie von Komponistinnen, Interpreten, Zuhörer:innen und Kreativen, die über Genregrenzen hinweg musikalische Exzellenz lebt und wertschätzt, ohne dabei bestehende Kategorien zu leugnen oder sich ihnen entgegenzustellen. Es ist gerade die Vielfalt der unterschiedlichen Strömungen, die sich mal verbinden, mal eigene Wege nehmen, die Schönheit schafft.“ Kirsten Dawes, Künstlerische Leiterin
im fokus
ARABIC MUSIC DAYS
Seit zehn Jahren sind die Arabic Music Days integraler Bestandteil des Programms im Pierre Boulez Saal. In dieser Saison wendet sich das Festival in eine neue Richtung und legt den Schwerpunkt auf Verbindungen zwischen afrikanischen und arabischen Kulturen. Kurator Naseer Shamma – der nicht selbst auftritt und stattdessen im März mit einem Soloabend zu erleben ist – hat fünf Ensembles mit Musiker:innen aus verschiedenen afrikanischen Ländern eingeladen, deren musikalische Identität von jahrhundertealten Traditionen geprägt ist.
„Diese thematische Erweiterung hat nicht nur mit geografischen Gegebenheiten zu tun, sondern mit gemeinsamer Erinnerung, mit Rhythmen, die aus der Erde selbst entstehen, und mit Stimmen, die über die Zeiten hinweg im menschlichen Geist lebendig geblieben sind.“ Naseer Shamma
DIE BEETHOVEN-ZYKLEN
In der Saison 2026/27 begehen wir den 200. Todestag Ludwig van Beethovens mit drei besonderen Konzertzyklen. Das Belcea Quartet präsentiert an sechs Sonntagen zwischen Oktober und April sämtliche Streichquartette des Komponisten. Die Violinsonaten sind in zwei ganz unterschiedlichen Interpretationen zu erleben: Antje Weithaas und Dénes Várjon musizieren sie auf modernen Instrumenten, während sich Alina Ibragimova und Cédric Tiberghien den Sonaten im historischen Klanggewand mit Cembalo und Darmsaiten widmen.
„Beethoven hat ein völlig neues musikalisches Universum geschaffen, in dem jedes Gefühl enthalten ist, das wir als Menschen haben – deshalb verliert es für uns nie seine Bedeutung.“ Krzysztof Chorzelski, Belcea Quartet
SIR ANDRÁS SCHIFF
Ein Konzertzyklus mit Sir András Schiff zum Jahreswechsel hat im Pierre Boulez Saal inzwischen fast schon Tradition. Nach Soloprojekten in den vergangenen Jahren steht diesmal Kammermusik im Mittelpunkt: Gemeinsam mit engen musikalischen Freund:innen ist Schiff in verschiedenen Trioprogrammen und Vokalabenden zu erleben. Ein besonderer Höhepunkt ist sein Konzert mit jungen Pianist:innen, deren künstlerische Entwicklung er im Rahmen seines Mentoringprojekts „Building Bridges“ fördert und intensiv begleitet.
„Mit Building Bridges möchte ich junge Pianist:innen vorstellen und ihnen Auftrittsmöglichkeiten geben. Mein Wunsch ist, dass junge Musiker:innen sehr neugierig sind und den Mut haben, zu experimentieren.“ Sir András Schiff
SCHUBERT-WOCHE
Während der Schubert-Woche arbeitet Kurator Thomas Hampson mit der nächsten Generation von Liedsänger:innen, die sich in drei öffentlichen Workshops dem Publikum vorstellen. In den Young Singers-Konzerten präsentieren junge Künstler:innen, die in den vergangenen Jahren an den Workshops teilgenommen haben, an der Seite renommierter Pianist:innen eigene Liedprogramme. Den Abschluss der Woche bildet der Liederabend von Marie Seidler und Wolfram Rieger, die Werke von Schubert, Wolf und Zemlinsky in einen spannenden Kontext mit Liedern französischer Komponistinnen des 19. und 20. Jahrhunderts stellen, deren Musik es wiederzuentdecken gilt.
„Musik braucht keinen Text und Text braucht keine Musik, aber wenn beides zusammenkommt, entsteht eine neue Kunstform. Lied ist Zeugnis und Tagebuch menschlichen Daseins, es ist nicht dazu da, die Leute zu unterhalten.“ Thomas Hampson
10 Jahre Pierre Boulez Saal
Zehn Jahre ist es her, dass der Pierre Boulez Saal im März 2017 erstmals seine Türen öffnete! Wir feiern unseren Geburtstag mit zwei besonderen Konzerten und einem Monat, in dem viele Musiker:innen zu erleben sind, die die künstlerische Identität des Saals im vergangenen Jahrzehnt maßgeblich geprägt haben.
JUBILÄUMSKONZERTE
EIN GANZ BESONDERER MONAT
Im März 2027 hören Sie Daniel Barenboim, Pierre-Laurent Aimard, Isabelle Faust, Naseer Shamma, Waed Bouhassoun, Marie-Laure Garnier, Nduduzo Makhathini, Jonathan Ware, Barenboim-Said Akademie-Absolventin Nathalia Milstein, Schubertwochen-Alumnus Jeeyoung Lim, die Akademie für Alte Musik Berlin und viele andere.
soundcheck
Jede Saison wird der Pierre Boulez Saal zu einem Ort für neue Begegnungen. Entdecken Sie die Musik außergewöhnlicher Künstler:innen, derer, die in dieser Saison hier debütieren, und anderer, die in neuen Konstellationen zu erleben sind. Sie alle prägen und bereichern unsere musikalische Familie.
„Beim Komponieren geht es für mich darum herauszufinden, wie Emotionen sich verbinden und miteinander Zwiesprache halten. Ich möchte die verborgenen Fäden enthüllen, die zwischen Momenten der Freude, des Zweifels, der Sehnsucht und der Ruhe entstehen und versuchen, damit zu zeigen, wer wir wirklich sind.“ Melissa Aldana
MUSIK FÜR DAS DENKENDE OHR Mehr Konzerte entdecken
barenboim-said akademie
Zusammen mit dem Pierre Boulez Saal feiert auch die Barenboim-Said Akademie Jubiläum: mit dem Wintersemester 2026/27 liegt die Eröffnung im Dezember 2016 zehn Jahre zurück. Neben Konzerten mit Studierenden bietet auch das kommende akademische Jahr wieder Vorträge, Gespräche und andere Veranstaltungen, in denen sich musikalische und außermusikalische Ideen auf spannende Art und Weise begegnen.
AKADEMIEKONZERTE
Die beliebte Reihe der Akademiekonzerte bietet den Studierenden der Barenboim-Said Akademie die Möglichkeit, sich als Teil ihrer Ausbildung dem Publikum vorzustellen. Mit den etwa einstündigen Kammermusikprogrammen, die jeweils kurzfristig bekanntgegeben werden, geben die Studierenden direkten Einblick in das Repertoire, mit dem sie sich auf den Eintritt ins internationale Musikleben vorbereiten.
ORCHESTERKONZERTE
Wie in den vergangenen Jahren gehören zur Reihe auch zwei Auftritte des Orchesters der Barenboim-Said Akademie, das von Daniel Barenboim ins Leben gerufen wurde. Seit 2024 ist Nabil Shehata künstlerischer Leiter des Ensembles. Der deutsch-ägyptische Kontrabassist und Dirigent, Mitglied der ersten Stunde des West-Eastern Divan Orchestra und ehemaliger Solokontrabassist der Berliner Philharmoniker, ist der Barenboim-Said Akademie als Professor für Kontrabass eng verbunden.
MEHR MUSIK
Mehrmals pro Semester präsentieren Studierende Solowerke und Musik für kleinere Ensembles im intimen Rahmen des Mozart Auditoriums oder im Foyer der Akademie. Konzerttermine werden später bekanntgegeben.
AKADEMIE-FORUM
Das Akademie-Forum bietet Vorträge, Lesungen und Podiumsdiskussionen mit Gästen aus Wissenschaft, Literatur, Politik und Öffentlichkeit. Die Reihe lädt dazu ein, das intellektuelle Leben an der Akademie kennenzulernen und daran teilzunehmen – im Mittelpunkt steht dabei der Austausch über Fragen unserer Gegenwart. Alle Veranstaltungen werden von Studierenden musikalisch umrahmt. Gäste und Termine für das akademische Jahr 2026/27 werden später bekanntgegeben.
„Die Gründung der Barenboim-Said Akademie ist für mich die Erfüllung eines Lebenstraums: ein Ort, wo wir die nächste Generation von Musiker:innen ausbilden können, für das West-Eastern Divan Orchestra und für Orchester auf der ganzen Welt. Vor allem aber schafft sie einen Ort der Begegnung für eine Generation von Menschen, die in ihren Heimatländern niemals die Möglichkeit hätten, dem „Feind“ nahezukommen.“ Daniel Barenboim